Die Skandinavien Reise 2025 war geprägt von vielen Auf und Ab’s, nicht nur geographisch sondern auch psychisch und technisch. Die Technik wollte mir einen Strich durch die Rechnung machen und das eigentliche Ziel, die Polarnacht zu erleben, rückte bald in den Hintergrund.

Ich startete Ende Oktober mit Ziel Varanger Halbinsel, ganz im Norden von Norwegen. Dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen den Nordosten Norwegens zu bereisen, östlich von Kirkenes zur Grense Jakobselv und Vardø ganz im Osten der Varanger Halbinsel.

Die Anreise durch Deutschland verlief reibungslos. Fast. Denn vor dem Hafen in Lübeck bemerkte ich einen leichten Verlust der Druckluft. Ich konnte auch relativ schnell die Ursache finden: es war das Regelventil der Kabinendämpfung. Glaubte ich zumindest 1200km. Ich habe so einige Sachen ausprobiert, Verschraubungen kontrolliert, mit Teflon bzw. Epoxzdharz abgedichtet, aber nichts brachte Besserung. Schlimmer, es wurde Tag zu Tag schlechter, bis ich irgendwann die Kabinendämpfung deaktiviert habe um den Luftkompressor zu schonen. Sonst ging er alle 12 Sekunden an. 1200 km später auf einem Parkplatz bei Inari bemerkte ich dann das eigentliche Problem: die Leitung war 20 cm neben dem Ventil durchgescheuert, und zwar so blöd dass ein Stahlträger manchmal die Stelle abgedichtet hat. An dem sie auch gescheuert hat…

Nach 70km Inari und wieder zurück war das Problem behoben.

Es sollte nicht die einzige Panne bleiben. Bereits bei Inari bemerkte ich dass die Diesel Heizung bei tiefen Temperaturen schlecht startete. Sie startete zwar immer, brauchte aber viel mehr Zeit um zu zünden. Ich habe die Diesel Zuleitung und Luftzufuhr gecheckt, aber die Heizung war anderer Meinung. 100km oberhalb Inari und wieder 10 Grad kälter musste ich mich entscheiden: entweder 250km nach Rovaniemi zurück (dort gibt es mehrere Werkstätten), oder mit einer kaputten Heizung in den Norden fahren. Mit der Option, dass sie irgendwann gar nicht mehr geht. Das wäre der worst case weil ohne Heizung springt der Motor auch nicht an.
Die Entscheidung war schnell getroffen: also wieder zurück auf Los. In Rovaniemi 2 Werkstätten später (die beiden anderen wollten mit Webasto gar nichts mehr zu tun haben) bei Pr Diesel ja Autosähkö angekommen hat man mir freundlich zu verstehen gegeben dass sie erst in 2 Wochen Zeit hätten meine Heizung anzuschauen. Verzweifelt wie ich war fragte ich ob sie ev. eine Heizung lagernd haben oder besorgen könnten. Lagernd war sie nicht, aber sie könnten sie innerhalb 24 Stunden besorgen. Den Einbau müsste ich aber selber machen, sie haben ja keine Zeit. So kam es dass ich bei Schneetreiben im Freien um den Gefrierpunkt in Rekordzeit die Heizung getauscht habe. Weil Platz hatten sie auch nicht für mich in der beheizten Halle. Dafür hätten sie mir eine Fixanstellung als Mechaniker in Finnland angeboten. Ich weiss nicht…

Nachdem das Problem mit der Heizung gelöst war gings wieder nach Norden. Nichtsahnend habe ich am Abend bei meiner Nikon Z7ii die Erkennung der toten Pixel gestartet (die Funktion erkennt nicht funktionierende Pixel, deaktiviert sie und ersetzt sie Software seitig). Das Ergebnis nach 2 Minuten: Es waren nicht nur die Pixel tot, sondern die ganze Kamera. Eine Suche im web brachte die Erkenntnis dass ich nicht der einzige bin, der das Problem hat. Die Lösung: Nikon Service. Einschicken. In Rovaniemi würde es einen Nikon Händler geben… Vergiss es.

Fazit der bisherigen Reise:

  • Druckluftverlust: Schlauch durchgescheuert
  • Heizung: startet schlecht, bei Schneefall im Freien ausgetauscht
  • Nikon Z7ii: Komplettausfall nach toter Pixel Funktion

Was ich damals noch nicht wusste: es kommt noch dicker…

Grense Jacobselv

Die Fahrt zur russischen Grenze bzw. nach Grense Jacobselv ist im Winter einsam. Kurz nach er Abzweigung (die andere Richtung gehts nach Murmank, das will man im Moment eher nicht) gibt es die letzten Häuser, ab dann wird es 30km einsam. Die letzten 10km folgt man den Grenzfluss zwischen Finnland und Russland. Direkt im Fluss (eher ein Bach) stehen die Grenzschilder, die man tunlichst nicht übersehen soll. Im November ist es gespenstisch ruhig, bis auf einem Schneepflug mit dem ich fast kollidiert bin. Dass wir uns genau in einer unübersichtlichen Kurve getroffen haben war Pech. Dass ich 1m vor ihm stehen geblieben bin einfach nur Glück. Das schlechte Wetter und die Schneestrasse taten ihr bestes um die Motivation gegen null sinken zu lassen. Nun war ich aber hier und musste den Tag (ca. 2 Stunden hell) nutzen.

Die Kong Oscar II Kapelle mit dazugehörigem multinatinalen Friedhof zeugt von der Bedeutung dieses Ortes. Statt ein Schiff zur Überwachung der Grenze zu schicken hat Georg Heyerdahl entschlossen eine Kapelle zu bauen, um die Grenze zwischen Russland und Norwegen zu markieren. Die Grabkreuze zeugen trotzdem von gegenseitigen Respekt und Offenheit.

Die russischen Kommandoposten thronen auf der einen Flussseite, die norwegischen etwas weiter westlich auf einen Berg. Dazwischen Nordmeer, kalt und dunkel (noch mehr im Winter). In 2 Tagen wo ich hier war ist nur 2 Mal der Schneepflug gekommen. Wer weiss ob im Sommer Menschen hier baden gehen.

Immer in Hinterkopf dass ich hier auch wieder weg musste (die Strasse ist im Winter geschlossen) und die Wettervorhersagen vor Augen bin ich nach 2 Tagen wieder zurück in die Zivilisation.

Damit es spannend bleibt ist mir auch noch der externe Kamera Timer ausgefallen. Somit sind Timelapse Aufnahmen schwierig weil die Kamera selbst nicht unendlich viele Aufnahmen mit 30 oder mehr Sekunden machen kann.

Vardø

Die Fahrt nach Vardø war nach meiner Erfahrung zur Grense Jakobselv entspannend. Kein Schneepflug, keine Überraschungen. Endlich schien ein Wendepunkt einzutreten. Nicht nur geografisch (weiter Richtung Norden wollte ich nicht) sondern auf ansonsten schien alles zu funktionieren.

In Vardø wollte ich die Polarnacht erleben, wie es ist wenn es nicht mehr hell wird. Plus gibt es dort ein Mahnmal zur Hexenverbrennung. Das Steilneset Memorial liegt etwas aussehalb vom Dorf, ist aber zu Fuss leicht zu erreichen. Es gedenkt den vielen Opfern der Hexenverfolgung in Norwegen, eine Kerze und eine kurze Beschreibung erinnert an jedes Opfer, die Anklage und Hinrichtung. Es stimmt nachdenklich dass viele der Opfer von Verwandten angekreidet wurden, mit fadenscheinigen Anschuldigungen.

Sozialer Treffpunkt ist mit Sicherheit der Supermarkt in Vardø. Ich bin auch einkaufen gegangen, obwohl ich vieles dabei habe, frisches Brot und Obst/Gemüse müssen sein. Eigentlich gibt es noch eine Strasse weiter Richtung Norden nach Hamningberg, die ist aber im Winter unpassierbar. Somit war das mein nördlichster Punkt der Reise, Zeit wieder Richtung Süden zu fahren.

Vom Rückweg Richtung Süden gibt es wenig Bilder. Nachdem ich von Vardø wegefahren bin ich immer Richtung Süden gefahren. Die Temperaturen sind übertags nicht über -20° gestiegen, in der Nacht waren es um die -28°. Auf der Höhe von Kirkenes hat plötzlich der Motor überhaupt keine Leistung mehr gebracht. Bis Kirkenes waren es 150km, nach Inari (ja, wieder Inari) zwar mehr, aber dafür liegt es weiter im Süden. So hoch im Norden gibt es wenig Möglichkeiten Hilfe zu suchen und zu finden. Die Aussetzer wurden häufiger und mehrmals ging der Motor auch aus. Kurz nach der Grenze zu Finnland musste ich halten, gerade noch konnte ich in eine Forststrasse einbiegen, dann ging gar nichts mehr.

Es war später Nachmittag und ich wusste dass es entweder an Kraftstoff oder an Luft mangelte. Der Luftfilter konnte es nicht sein, dafür gibt es eine Anzeige falls er zu wäre. Zu allem Überfluss war auch noch die Handförderpumpe zum Entlüften der Leitungen zum Motor undicht. Also entweder zieht der Motor über die Dieselleitung Luft wegen der defekten Pumpe, oder der Separ Filter ist zu. Eine Ersatzpumpe hatte ich nicht (ev. überbrücken wäre gegangen), also widmete ich mich dem Separ Filter. Und der war definitiv zu, mit den kalten Temperaturen war er komplett eingefrohren und so gut wie dicht.
Einen Ersatzfilter hatte ich dabei, das war nicht das Problem. Nur wie sollte ich die Leitungen zum Motor entlüften, ohne Handpumpe? Es war schon spät (dunkel war es eh schon, wurde ja nicht mal hell untertags) und ich beschloss das Problem am nächsten Morgen anzugehen.

Die Nacht war alles andere als angenehm weil dir in solchen Situationen alle möglichen Sachen durch den Kopf gehen. Meine Frau wollte in 2 Tagen nach Kittilä fliegen und wir eine Woche gemeinsam Richtung Süden fahren. Aber im Moment war es mehr als ungewiss ob ich überhaupt von dort wegkomme. Die nächste Stadt (Inari :-)) war 150km weiter südlich, dort gab es eine LKW Werkstatt und einen Abschleppdienst. Letzteres wollte ich unbedingt vermeiden.

Ich wusste am nächsten Morgen dass ich nicht viele Chancen habe den Motor zum Laufen zu bekommen. Irgendwann ist die Batterie alle, und dann geht gar nichts mehr. Ich habe so gut es ging die Filter mit Diesel vorgefüllt (PET Flaschen nie wegwerfen!), die Diesel Zuleitung beim Motor abgeklemmt und mit dem Mund angesaugt. Kaltes Metall auf den Lippen ist ähnlich unangenehm wie der Diesel Geschmack. Aber es klappte, ich konnte die Leitung so gut wie möglich füllen. Motor war vorgewärmt und ich startete einen Versuch: UND ER SPRANG AN!!!

Wer schon mal in so einer Situation war kann es nachvollziehen wie glücklich man ist, es geschafft zu haben. Ich hatte sogar schon eine SMS dem Abschleppdienst geschrieben. Es war aber die Festnetznummer, kam also nie an.

Ich wollte nicht noch so eine Panne riskieren, und deswegen bin ich nach Kittilä nur Hauptstrassen gefahren. Auch die restliche Reise habe ich versucht das Restrisiko zu minimieren, noch einmal in so eine Situation zu kommen. Glücklicherweise ging alles gut, aber die Lust zum Fotografieren war erstmal verflogen. Die Fahrt durch Schweden nach Stockholm und weiter Richtung Deutschland / nach Hause verlief ohne weitere Komplikationen.