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Um meine alte Africa Twin zumindest ein wenig artgerecht zu halten und ihr auch mal ihr eigentliches Einsatzgebiet zu zeigen kam der Plan auf, nach Marocco zu fahren. Einige Monate vor der Abreise wurde gesucht, gefunden, gebucht, nur die falsche Fähre. Das ging so: Voller Vorfreude bucht ich die Fähre auf einer italienischen Seite. Abfahrt Mittwoch 10 Uhr. Perfekt. Bezahlt, Tickets ausgedruckt und fertig.

Einen Monat vor Start wollte ich nochmal den Status der Fähre kontrollieren. Und siehe da, die Fähre gibt es nicht mehr, keine Fähre am Mittwoch 10 Uhr von Genua nach Tanger Med. Hm... vielleicht ein Fehler im System. Am nächsten Tag nochmal versucht, selbes Ergebnis. Na toll... Nach dem Anruf bei der Fährgesellschaft dann die Erleuchtung: Statt Tangeri (ital. Name für Tanger Med) habe ich Tunisi (Tunesien) gebucht. Panik machte sich breit, die dann nach 5 Minuten in Grinsen überging. Na gut. Dann fahre ich halt nach Tunesien, auch schön...

Aber meine Frau wollte sich mit dem neuen Plan anfreunden, und so habe ich umgebucht. Das war leichter als gedacht, ich habe sogar den einbezahlten Betrag zurückerhalten und so war am Ende alles Gut.

Am Motorrad selber habe ich nicht viel geschraubt. Einzig die Montageeisen und Reifenflickzeug habe ich mitgenommen. Und ein 5 Liter Benzintank, für den Fall der Fälle, etwas Werkzeug wie Schlüssel, Inbus etc. Bremsbacken habe ich immer dabei...

Uebersicht


Der Wetterbericht verheißt perfektes Reisewetter. Zumindest für 4 rädrige Vehikel. Pünktlich zur Abfahrt kommt der Regen. Eine Kaltfront überquert Italen und bringt Regen, Kälte und nasse Straßen. Gut eingepackt mit Regenanzug und Gummihandschuhe starte ich in ein neues Abenteuer. Ab Meran regnet es, ab Trient schüttet es wie aus Kübeln. Der Regenanzug hält dicht, ich spule die Kilomenter auf der Autobahn hinunter. Es hilft ja nichts, irgendwie muss ich nach Genua... Kurz vor Genua fahre ich von der Autobahn ab und suche mir einen Platz zum zelten.

Im Tal will ich nicht bleiben, also ab in die Berge! Wobei Hügel das bessere Wort ist, im Vergleich zu unseren Bergen. Eines haben sie aber gemeinsam: es ist arschkalt, auch auf den Hügeln vor Genua! Immer noch regnet es, aber zum Glück gesellt sich Nebel dazu, so sieht man nicht zu weit... Bei einem Wallfahrtsort stoppe ich und baue das Zelt nahe eines Picknickplatzes auf. Endlich mal ein Tisch zum Kochen und Essen. Doch der Tisch und die Bank ist naß, so verkrieche ich mich ins Zelt und hoffe, dass das Wetter morgen besser wird.

Es regnet...Es regnet...

 17F0161Schlafplatz neben einem Wallfahrtsort


Ich habe die ganze Nacht nicht gut geschlafen. Immer wieder hat es angefangen zu regnen, und mein Regenanzug war draußen. Aber ich wollte nicht aufstehen und ihn naß ins Zelt zu nehmen. Am Morgen war alles naß, aber zumindest nur von unten und nicht auch von oben. Die Fähre startet erst im 13.00, deswegen lasse ich mir Zeit beim zusammenpacken. Die Sonne lässt sich nicht blicken und mein Schlafplatz ähnelt eher einem Sumpf wie einer Picknick Wiese.

Auf dem Weg zum Fährhafen tanke ich nochmal voll. Ich bin auf dem Zahnfleisch, und falls ich in Marocco nicht gleich eine Tankstelle finde bin ich am Arsch, so wie in Finnland, wo ich nur mehr mit mehr Glück als Verstand zur Tankstelle gerollt bin.

Gegen 10.00 bin ich beim Hafen und es fängt der Spießrutenlauf an. Glücklicherweise hilft mir ein Marokkaner der in Italien wohnt mit den Formalitäten. Eigentlich ist es recht einfach: Direkt neben dem Dock befindet sich im ersten Stock das Büro mit Zoll und Personenkontrolle. In Genova macht man nur den ital. Teil, die Einreiseformalitäten werden dann auf dem Schiff bzw. direkt am Hafen von Tanger Med erledigt. Immer mehr Fahrzeuge kommen an, manche sind doppelt so hoch wie breit vor lauter Zeug, was von Italien nach Marokko gekarrt wird.

Eine Stunde vor Abfahrt öffnen die Mitarbeiter die Zufahrt und jeder will so schnell wie möglich auf das Schiff. Als Motorradfahrer ist man priveligiert, man bekommt meistens eine Vorzugsschiene. Es sind noch einige Biker mit an Bord, einige Deutsche und eine Gruppe aus Tschechien, alle verzurren ihr Motorrad mit den Zurrgurten und machen sich auf den Weg nach oben, wo ich die Zimmernummer und Schlüssel bekomme. Es ist logischerweise eine Innenkabine, aber das stört mich nicht.

Nach und nach kommen auch meine Zimmergenossen für diese Überfahrt ins Zimmer: es sind 3 Marokkaner die in Italien arbeiten und nun nach Hause fahren. Alle drei sind älter wie ich und sehr freundlich. Bis auf einem: er schläft die ganze Überfahrt, 36 Stunden, durch...

Auf dem Schiff lerne ich auch 2 Deutsche kennen, die mit einem Allrad LKW Marokko erkunden wollen. Es ist ihre erste große Reise, als Vorbereitung für eine längere Reise.

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Warten auf den Start! 17F0191

Goodbye Genua, Goodbye Italien!

 


Die Zeit auf der Fähre geht sehr langsam vorbei. Es gibt nicht viel zu sehen oder zu tun. Meine Kabine wird den ganzen Tag von den Marokkanern belagert, und 4 Personen in einem 3 Quadratmeter großem Raum ist definitiv zu viel! Es gibt nur 2 Höhepunkte auf der Fahrt:

  • Notfallübung: Niemand weiss was zu tun ist, die Mitarbeiter bemühen sich sehr, uns in die richtige Richtung zu lotsen, was aber mangels sprachlichen Verständnis nicht klappt. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei, wir sind an der richtigen Stelle (waren wir davor auch, nur zu früh) und alle sind froh dass es vorbei ist.
  • Einreiseformalitäten: Nachdem wir von Barcellona abgelegt haben und uns weiter Richtung Marokko bewegen wird über Lautsprecher bekanntgegeben, dass ab sofort die Zettel zum ausfüllen der Einreiseerklärung aufliegt. Wenn man so etwas noch nie gemacht hat ist es ein wenig komisch, denn man muß den Zettel ausfüllen und am Abend wird dann von einem Beamten der Pass kontrolliert und bestätigt. Eine lange Schlange bildet sich vor dem Beamten, jeder einzeln muss vorsprechen, aber wie haben ja Zeit!

Es sind wenig Motorradfahren an Bord. Dafür mehr Allrad Fahrzeuge. Auch ein MAN KAT 8x8 wird in Barcelona verladen. Schon heftig die Dimensionen! Ab dort ist die Fähre gerammelt voll, viele geführte Offroad Reisegruppen mischen sich unter die Maroccaner. Wer Geld sparen will kann sich statt einer Kabine einen Sitz reservieren. Aber 2 Tage auf einem Sitz verbringen, in Räumen mit 20-30 anderen Personen ist nicht so prickelnd...

 17F0201Das Wetter wird nicht besser...

 


Es kommt Stress auf! Der Hafen von Tanger, Tanger Med, kommt in Sicht. Es dauert noch eine Weile, bis die Fähre an das Dock anlegt. Um nicht ganz ins Chaos zu versinken werden wir nach Zonen eingeteilt, je nachdem wo das Fahrzeug steht. Ist auch besser, denn jeder will natürlich so schnell wie möglich vom Boot!

Der Hafen ist riesig. Und komplett verriegelt. Niemand kommt hinaus oder hinein, ohne durch die Personenkontrolle und Zoll zu kommen. Und dort kommt die afrikanische Seele von Marocco durch. Es herrscht Chaos, niemand weiss eigentlich wie es funktionieren sollte. Die Personenkontrolle funktioniert noch einwandfrei. Dann wirds lustig: Zoll. Statt einzeln werden alle gleichzeitig abgewickelt, ohne Französisch oder Arabisch wirds nochmal interessanter. Am besten man sucht sich jemanden der das Spiel schon einmal gespielt hat. Ein Zollbeamter sammelt das Importdokument der Fahrzeuge ein und verschwindet. Irgendwann kommt er dann wieder und ruft die einzelnen Personen auf, um im Pass das Fahrzeug einzutragen. Das funktioniert natürlich nur bedingt, weil bei 100 Personen die Hintergrundbeschallung so groß ist, dass niemand etwas versteht. So ist das Chaos vorprogrammiert. Aber irgendwie geht's dann doch und nach 1-2 Stunden ist man durch und auf maroccanischem Boden! Direkt am Hafen gibt es mehrere Versicherungsgesellschaften, um die obligatorische Haftpflichtversicherung für Fahrzeuge abzuschliessen. Das geht sehr schnell und ab dann wird man ins Abenteuer entlassen.

Es ist schon später Vormittag und mein Ziel ist Chefchaouen, die blaue Stadt. Es sind ca. 200km bis dorthin. Der Norden Maroccos gleicht sehr stark Spanien, die Vegetation ist meditteran (warum eigentlich) und die Straßen sehr gut. Um mich bei meiner Familien melden zu können suche ich einen Handy Laden. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt sehr viele kleine Geschäfte, die für Prepaid Karten Rubbelkarten verkaufen, um sie aufzuladen. Aber wenige verkaufen auch die Karten selber. In einem kleinen Dorf werde ich fündig. Handy aus, Karte rein, Handy ein. Schnell findet er das Netz. Ich kann auch telefonieren, aber das Internet geht nicht. Scheisse! Das SMS das ich bekommen habe um die Karte zu aktivieren kann ich nichts anfangen. Die Schrift starten von rechts nach links... Französisch, keine Chance. Frustriert warte ich bis 2 Arbeiter vorbeikommen und drücke ihnen mein Handy in die Hand. 30 Sekunden danach habe ich Intenet... Einheimische sei Dank!

Der Campingplatz in Chefchauoen liegt etwas oberhalb des Ortes und ist nicht so einfach zu finden. Die Beschilderung ist etwas spärlich, aber mit ein wenig guten Willen kommt man ans Ziel. Es sind nicht so viele Gäste auf dem Campingplatz, deswegen kann ich mich hinstellen wo ich will. Gras sucht man vergebens, der Camping Esel sorgt für kurzes Gras und verschmäht auch sonstiges Essen, was rumliegt, nicht!

Am Abend gehe ich noch ein wenig in die Stadt. Um dorthin zu gelangen gehts einem Pfand steil bergab. Einige Einheimische kommen mir entgegen, Wanderhändler. Doch die Ware, die sie verkaufen, ist nichts für mich: Haschisch...

Bereits auf dem Weg hierher sind mir Kinder aufgefallen, die neben der Straße ein komisches Holzschild gehalten haben, manchmal wie ein Hundeknochen. Jetzt wird mir meine Naivität klar: es war nicht Hundefutter was sie verkaufen wollten, sondern "Tüten". Einigen Touristen freuts, mir wäre lieber sie würden die Schulbank drücken!

3heutige Strecke...

 Der Hafen von Tanger MedDer Hafen von Tanger Med

 17F0235Chefchauoen bei Nacht!

 17F0236Mein erster Schlafplatz in Marocco


Ich habe schlecht geschlafen! Schuld ist nicht der Boden oder die Nachbarn, sondern ich alleine! Marocco verbinde ich mit Wüste, Sand, Hitze! Logischerweise habe ich den Schlafsack Zuhause gelassen, bei den Temperaturen braucht man so etwas nicht! Weit gefehlt! Die Temperaturen fallen unter 10 Grad, und ich friere mir die Ohren ab! Auch die Motorradhose und Jacke helfen wenig. Bis ich auf die Bonatti (Valter Bonatti, Bergsteiger) Technik zurückgreife: Ich stecke die Füße in einen leeren Rucksack, das wärmt zumindest ein wenig. Trotzdem ist es arschkalt!

Ich bin froh wenn es endlich Tag wird und die Sonne ein wenig die kalte Luft erwärmt. Noch einmal gehe ich in die Stadt runter, um bei einer Bar einen Tee zu trinken. Der Minztee ist legendär, wohl auch deshalb weil Tonnen von Zucher darin gelöst werden. Der hohe Zuckergehalt erklärt auch die vielen Karies Patienten auf den Straßen!

Nächstes Ziel auf einer Reise ist Volubilis, eine alte Römersiedlung nördlich des Atlas. Anscheinend die Siedlung mit dem südlichsten römischen Mosaik.

Gegen Mittag bekomme ich Hunger und fahre zu einem künstlich angelegten See. Der See wird von den Einheimischen gerne als Ausflugsziel angefahren, deswegen ist auch der Parkplatz nur gegen Bezahlung, ich bezahle aber gerne, denn somit ist der Parkplatz sauber und sicher.

Auf dem Nachbartisch sitzt eine Gruppe mit Jugendlichen und Erwachsenen. Die Jugendlichen (so um die 15 Jahre, weiblich) setzen sich nach kurzer Zeit zu mir und beginnen mit mir auf Französisch zu reden. Sorry, aber da kann ich nicht mithalten. Ich versuche es ihnen zu erklären und sie kichern ein wenig. Ins grübeln komme ich als mir von einer Blumen geschenkt werden. Ich weiss diesen Akt der Freundschaft nicht einzuorden und bedanke mich vorsichtig, gehe aber nicht weiter darauf ein und esse meine Mahlzeit weiter. Bald verlieren die Mädels das Interesse in mir und gesellen sich wieder zu den anderen. Irgendwie bin ich froh, denn von einer Minderjährigen Blumen geschenkt zu bekommen ist schon merkwürdig... Später auf der Reise wurde ich dann aufgeklärt: sie suchte entweder einen Mann oder sah mich als Versuchskaninchen für spätere Annäherungsversuche.

Am frühen Nachmittag komme ich bei VOlubilis an, natürlich nicht ohne mich zu verfahren. Die Straßenschilder vertecken sich oft vor mir und die Navigation gestaltet sich schwierig, wenn man weder Ortschaft noch Straße weiß!

Mit mir kommt auch eine tschechische Motorradgruppe an, die ich bereits auf der Fähre gesehen habe. Der Eintrittspreis von 10 DH ist mehr als fair, es zahlt sich wirklich aus. Am Eingang stehen ein paar "Touristenführer", die ihre Dienste gerne anbieten. Es ist aber nicht wirklich nötig, viele Informationen stehen auf Infotafeln. Die alten Gebäude zeigen von einer hohen Baukunst, die vielen Mosaike sind gut erhalten. Man kann sich frei auf dem Gelände bewegen, einige Gebäude und Mosaics sind mit Absperrungen nicht zugänglich. Ich bleibe lange dort, um die Seele des Ortes einzuatmen und auf mich wirken zu lassen: wie werden sich die Einwohner vor fast 2000 Jahren gefühlt haben. Vieles kann man sich nicht mehr vorstellen.

10 Kilometer weiter finde ich einen Campingplatz wo ich mich für die Nacht einquartiere. Bevor es Nacht wird spaziere ich noch auf einen naheliegenden Hügel, um die untergehende Sonne zu geniesen. Hoffentlich wird es heute nicht mehr so kalt...

 

3.pngdie heutige Strecke...

 17F0270Chefchaouen

 17F0276warum die Wände blau weiss sind weiss ich nicht...

 17F0313Mittagspause...

 17F0358  17F0387
 17F0406  17F0410

 17F0376Volubilis

 17F0526Mein Nachtquartier

 


Guten Morgen Marocco! So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Wieder war es arschkalt, der Schlafkomfort ohne Schlafsack und mir den Füßen im Rucksack nicht der Hit! Mit jeder Reise lernt man. Um so mehr wenn mal die ausgetretenen Pfade verlässt und sich auf (einem) unbekanntes Terrain bewegt.

Der Campingplatz liegt außerhalb jeglicher Siedlung, ohne Geschäft oder sonstige Möglichkeit etwas einzukaufen. Gut daß am Morgen der Bäcker mit einem Auto voll Brote kommt. Es gibt zwar nur das eine Brot, aber es ist noch warm und schmeckt mit Streichschokolade vorzüglich. Von Zuhause habe ich faire Streichschokolade mitbekommen, schmeckt besser als die Massenware.

Die Sonne wärmt mich endlich ein wenig auf und mit der Sonne kommt auch die gute Laune zurück. Heute soll es Richtung Cirque du Jaffar gehen.

Die Hauptstraßen in Marocco sind perfekt, fast schon zu perfekt. Viele Straßen wurden vor kurzem geteert, der Asfalt ist griffig und überhaupt nicht rutschig. Die Situation andert sich wenn man die Hauptstraße verlässt und sich auf die kleineren Straßen begibt. Dort findet mal alles: Sand, Schotter, Flußdurchfahrten usw. Und meistens Motorradgruppen mit weltbekannten Boxermotoren, die wie aus dem Ei gepellt durch die Landschaft kurven. Ich lasse mir lieber Zeit mit meinem 18 Jahre alten Gefährt, denn ich will das Land bereisen und nicht berasen!

Sobald man die nördliche Ebene vor dem Atlas hinter sich hat und sich in den Atlas begibt wird die Landschaft karger und die Siedlungen spärlicher. Bei irgendeinem Dorf schickt mich das Navigationsgerät über einen Fußweg zu einer Flußdurchquerung, obwohl 30 Meter daneben die asfaltierte Straße verläuft. Ich drehe um, das Wasser ist mir zu hoch...

Den Cirque du Jaffar habe ich nicht gemacht. Ich muss mir bei der Navigation etwas anderes einfallen lassen. Häufig kennt das Navi die Ortschaft nicht, wo ich hin will, oder es kennt die Ortschaft, aber in einem anderen Teil des Landes. Das ist mir bereits in Rumänien passiert, wo ich vergeblich den Campingplatz suchte, obwohl der 70km weiter im gleichnamigen Dorf war...

Die Straße windet sich das erste Mal einem Pass hinauf. Keine Ahnung wie weit es noch nach oben geht. Das Durchfahren der einsamen Siedlungen ist ein wenig nervig. Sobald eines der spielenden Kinder mich erblickt, kommt eine Horde von Kindern und versuchen, mich zum stehenbleiben zu bringen. Oder besser zwingen. Falls man nicht stehenbleibt fliegt schon der eine oder andere Stein... Turisten werden hier einfach als Geldbörse gesehen. und Schuld sind die Turisten selbst. Man tut niemanden etwas gutes, Euro Scheine beim Fenster hinauszuheben und den Kindern zu geben. Entwicklungshilfe schaut anders aus!

Wieder nach einer Dorfdurchfahrt mit mehr oder weniger aufdringlichen Kindern komme ich an einer kleinen Hütte "Auberge Rex" vorbei. Davor steht ein kleiner Knirps und winkt zögerlich mit der Hand. Weil es eh schon spät ist und ich keine Lust habe auf dieser Höhe im Zelt ohne Schlafsack zu übernachen beschließe ich, bei diesem "auberge" zu übernachten.

Die Besitzer sind sehr freundlich und bieten mir auch gleich ihr "Zimmer" mit Frühstück an. Auch das Abendessen wird schnell organisiert. es gibt (wie so häufig) Tajine. Es ist kalt draussen, und auch drinnen ist es kalt. Doch das warme Federbett und die nährstoffreiche Tajine wärmen und ich schlafe wie ein Stein! Die Straße ist in der Nacht wenig befahren. Gut für mich, denn die einzigen Fenster schauen direkt auf die Straße.

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Der heutige Tag...

 17F0537Saftige Wiesen im Norgen des Atlas Gebirges...

 17F0623Je weiter Richtung Gebirge umso spärlicher die Vegetation...

 17F0634Die letzten Poster der Zivilisation...

 17F0651 17F0663... danach nur mehr Weite...

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Mein Nachtquartier, links das Fenster meines Zimmers...

 

 


 

Die Nacht war richtig angenehm. Nichts geht über ein richtiges Bett. Eigentlich wollte ich früh raus um Fotos zu machen, aber daraus wurde nichts. Die Tür war zu und vor den Fenstern waren stabile Eisen eingemauert, keine Chance rauszukommen...

Erst als die Sonne bereits aufegangen war regt sich das restliche Haus. Das Frühstück ist sehr gut, es gibt von allem etwas und dei Hausherren geben sich Mühe. Bevor es wieder zu heiß wird starte ich gen Süden, heute ist Merzouga mein Ziel. Die kleinen Straßen im Süden des Atlas sind sehr schön zu fahren, es gibt fast kein Verkehr. Nur in der Todra Schlucht wird's hektisch: Es ist eines DER Ausflugsgebiete, auf für Einheimische, mit Recht: der Kontrast zwischen komplette vegetationslose Stein/Sand Gebirge und das grüne, mit einem Bach durchzogene V Tal ist unglaublich! Sogar ein paar Kletterer direkt neben der Straße treffe ich an. Aber bei 25º C klettern, ich weiss nicht...

Nach dem Atlas durchquere ich das erste Mal eine trockene Gegend. Die Vegetation ist merkbar spärlicher, im Gegensatz zum nördlichen Teil gibt es keine Schafe mehr, sondern Dromedare queren die Straße und suchen etwas Nahrhaftes. Immer mit dabei ein Hirte, der auf die wertvollen Tiere aufpasst.

Jetzt verstehe ich auch das Wort "Wirtschaftsflüchtlinge" besser. Was soll man tun wenn es nichts gibt und noch weniger wächst? Jeder hat ein Smartphone und alle wissen Bescheid über den gewaltigen Unterschied zwischen "hier & dort". Ich habe aber nie Neid gespürt, sondern nur Gastfreundschaft. Auch wenn sie manchmal doch eher auf kapitalistischen Grundgedanken zurückgeht.

Gleich bei der Einfahrt in Merzouga verfolgt mich ein Motorradfahrer, wie so häufig versuchen die Einheimischen Gäste auf die "richtige Spur" zu bringen und leiten einem zur besten, schönsten und billigsten Unterkunft. Ich lasse mich nicht drauf ein und fahre direkt zur Unterkunft. Ich will heute ein Kameltrecking machen und in den Dünen übernachten.

Das Trecking ist schön, natürlich sehr turistisch, aber der Guide sehr nett und nicht aufdringlich. Wir reiten ca. 1 Stunde durch die Dünen und besteigen eine davon. 1 Schritt nach vorne, 2 zurück, das kenne ich von unseren Bergen. Weit und breit nur Sand und Dünen, Richtung Süden sieht man die Grenze zu Algerien.

Unser Guide ist ein junger Mann und arbeitet seit ein paar Jahren im Tourismus. Vorher war er Dromedarhirte, sonst gibt es keine Arbeit hier. Er erklärt mir auch dass der schwarze Stoff der Zelte innerhalb ein paar Jahren komplett gebleicht werden, und je nach Jahreszeit der Wind von Süden oder Norden kommt. Deswegen müssen die Zelte nie ausgegraben werden, denn der Wind macht die Arbeit!

Am Abend bereitet er und sein Gehilfe uns ein super leckeres Abendessen, mit mir essen noch 3 Amerikaner und eine maroccanische Familie im Urlaub. Die Amerikaner haben nur Drogen im Kopf, die maroccanische Familie ist sehr nett, leider können wir uns nicht wirklich unterhalten. Sie sprechen nur Französisch oder Arabisch.

Gegen 10 Uhr Abends gehen wir schlafen, ich möchte in der Nacht Fotos der Milchstraße machen. Ich bin alleine in meinem Zelt, insgesamt könnten 8 Leute darin schlafen.

 

 

6Der heutige Tag...

 17F0765Südlicher Atlas...

 17F0782 17F0815 17F0903Merzouga...

 17F0888Geführte Wüstentouren..

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Der Reiz der Wüste...

 

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Leider ist die Nacht nicht klar und auch am Morgen ist der Himmel trüb. Somit kann ich keine Aufnahmen des Sternenhimmels machen. Und auch aus dem Dünenfrühstück und Dünenbesteigung wird nichts: es ist ein Sandsturm im Anmarsch, die Luft ist sehr heiß und voll Sand. 

Wir kommen gegen 9.00 Uhr am Hotel wieder an und bekommen ein einfaches aber gutes Frühstück. Ich frage den Besitzer des Hotels, ob er es für sinnvoll hält, alleine die Piste von Merzouga nach Mhamid zu fahren. Eigentlich hätte ich es mir sparen können. Seine Antwort ist natürlich negativ, alleine ist es viel zu gefährlich, aber er könnte ein Begleitfahrzeug organisieren, das würde mich begleiten. Kostet auch nur umgerechnet 300€. Ich lehne dankend ab. Aber er warnte mich danach nochmal eindringlich, heute die Piste zu fahren, ein Sandsturm ist im Anmarsch und es wird um die 40 Grad heiß. Außerdem ist die Strecke von Er Rissani nach Zagorà genauso schön, und Wüste hat man dort auch genug rechts und links von der Straße.

So mache ich mich nach dem Frühstück auf Richtung Norden, um dann bei Er-Rissani westlich abzubiegen und durch ein unwirkliches Tal zu fahren. Davor aber noch schnell bei einer Werkstatt vorbei, eine Schraube des Kofferträger hat sich verabschiedet und geniest jetzt die Freiheit. 10 Minuten und alles ist vorbei. Der Mechaniker will nichts, ich gebe ihn aber ein Trinkgeld.

Der Besitzer hat nicht zu wenig versprochen. Das schmale Teerband schlängelt sich durch das breite Tal, rechts und links nur Geröll und Sand. Es ist heiß, sicherlich über 30 Grad. Wenn ich mir vorstelle, bei den Temperaturem im Sand spielen zu müssen, alleine und mit wenig Erfahrung, dann bin ich froh dass ich so entschieden habe. Und auch die wahnsinnig tollen Bilder der Rally Paris Dakar oder anderen Veranstaltungen, wo Autos und Motorräder durch die Wüste brettern, sind auch nur Schein! Die Sandpisten verlaufen ca. 30 Meter neben der perfekt ausgebauten asfaltierten Straße. Safety first, aber es als ultimative Abenteuer zu verkaufen ist lächerlich.

Die letzte Große Stadt vor Merzouga ist Zagora. Der Benzin neigt sich zu Ende und ich steuere das Zentrum an. Bei einer Steigung ruckelt plötzlich der Motor, wie wenn er wenig oder kein Benzin bekommt. So wenig ist nun auch wieder nicht im Tank. Gerade noch so erreiche ich eine Tankstelle, der Tank war noch 1/4 voll, also ausreichend. Alle möglichen Fehlerquellen gehen mir durch den Kopf: CDI, Benzinfilter, Kerzen usw... Ein Mechaniker kommt auf mir zu und fragt ob alles in Ordnung ist. Ich verneine, erkläre im mein Problem. Kein Problem meint er, seine Werkstatt ist gleich ein paar 100 m von hier, ich soll ihn folgen. Ein muss man den Marokkanern lassen, geschäftstüchtig sind sie!

Wie durch ein Wunder schnurrt der Motor nach dem Tanken wieder wie immer. Also kann es nichts schlimmeres sein. Trotzdem folge ich dem Mechaniker, ich will nicht unhöflich sein. An der Werkstatt angekommen erkläre ich den aktuellen Stand der Dinge und daß im Moment nichts fehlt. Für ihn ist es kein Problem, er gibt mir seine Visitenkarte und einen Aufkleber auch den Koffen. Ich soll ihn jederzeit anrufen, mit seinem Pickup kommt er überall hin um gestrandete Motorrad Fahrer aufzulesen. Ich bedanke mich und ab gehts Richtung Merzouga in die Wüste! Je weiter ich nach Süden fahre um so weniger Vegetation und mehr Steppe zieht bei mir vorbei. Die Temperaturen steigen deutlich an. Neben der Straße weisen mehrere Schilder darauf hin, wie wichtig und wertvoll Wasser hier ist.

Kurz vor Mhamid finde ich einen Camping Platz. Seit 1 Woche habe ich nicht geduscht und gekämmt (auch weil ich keinen Kamm besitze), es wird Zeit... Der Campingplatz ist eher ein Parkplatz, aber sauber und ich bin der einzigste Gast. Das Hotel daneben ist besser gebucht.

Bei der Durchsicht meines Motorrades fällt mir auf daß der Kettenschutz gebrochen ist. Ich hatte ihn bereits mit Nieten zusammengenietet und mit einem Alu Blech verstärkt. Aber auch das hielt den Belastungen nicht stand. Wer braucht schon sowas in der Wüste, ich montiere ihn ab! Und es riecht nach Benzin. So stark ist mir das noch nie aufgefallen. Ich kontrollieren die Schläuche und finde eine offene Schlauchschelle am Benzinfilter. DAS war also das Problem von gestern: Sie ist an Nahrungsmangel fast verhungert, hat Luft gezogen und deswegen ihren Dienst verweigert. Kleine Ursache, große Wirkung, schnelle Reparatur. Schelle festgezogen und fertig. Auch ohne Diagnose Software!

7Merzouga -> Mhamid...

 17F0964Mittagspause im Schatten bei 35º...

 17F0984Minas Morgul, oder doch nur Amon Sûl?

 17F0988 17F1015Die Wüste lebt...

 17F1076...oder fast


 

Bevor ich starte gehe ich noch zu Fuß in die alte Kasbah von Ouled Driss. Das kleine Dörfchen liegt ein paar Kilometer vor Mhamid und war mir schon warm genug gestern. In einer Bar bestelle ich einen "Whisky Berber", einen Pfefferminztee. Nach 10 Tagen weiss ich endlich wie man ihn zuzubereiten hat: Unendlich viel Zucker rein und dann minutelang umschütten. Dann bekommt er seinen guten Geschmack. Die Tage davor war ich noch unwissend und erst mit der Zeit und von den Einheimischen lernend kommt man dahinter.

Die Kinder gehen gerade zur Schule, es kommt ein Schulbus und bringt sie dorthin. Im ganzen Land gibt es ausserhalb der Dörfer große Schulkomplexe, wo die Kleinsten bis zu den Größten die Schulbank drücken.

Die Kasbah ist verwinkelt und dunkel. Dafür ist es aber immer angenehm kühl in den keinen verwinkelten Gassen. Es sind keine Menschen zu sehen, nur ein paar Ältere wuseln durch die Gassen und gehen ihrer Arbeit nach.

Ich mache mich auf dem Weg Richtung Taliouine, das Zentrum der Safran Produktion in Marocco. Doch gleich nach ein paar Kilometern fällt mir ein schönes Nomadenzelt neben der Straße auf. Es dauert keine Minute und der Besitzer ladet mich zum Tee ein. Ich steuere meine Kekse aus Italien bei. Doch anstatt sich ein paar zu nehmen verschwindet die ganze Packung. Die Verständigung ist schwierig, aber bis zum Schluss lasse ich mich drauf ein, dass er mich zu einem "Bekannten" bringt, der Schmuck verkauft. Irgendetwas sollte ich meinen Lieben zuhause ja mitbringen.

So fahre ich hinter einem Kleinmotorrad kilometerweit hinterher, jede Minute mehr denkend aus was ich mich wieder mal eingelassen habe. Bei der nächsten Siedlung biegen wir links ab und schon bin ich mitten drin im Laden.

Das Ritual des Verkaufens / Kaufens ist komplett anders. Zuerst wird mal Tee getrunken, über Gott und die Welt geredet. Dann die Ware ausgesucht, der Preis wird auf einem Zettel aufgeschrieben. Für 5 Silberstücke will der gute Mann 150€. Ich lache mich tod und schreibe 15€ hin. Das geht gar nicht, noch ein Tee, dazu Datteln. Das geht so ca. eineinhalb Stunden hin und her, bis wir uns auf einen Preis von 30€ einigen. Immer noch viel zu teuer, aber der Spass wars wert.

Zwischen Mhamid und Merzouga verläuft die alte Karawanenstraße Richtung Tombouctou. Ich wusste Dank possi.de dass irgendwo ein altes Schild hängen sollte. Nur per Zufall habe ich es auf der Mauer einer Ferienanlage entdeckt. Und auch nur weil daneben das Ergebnis einer gescheiterten Wüstendurchquerung steht.

Der alte Mythos der Rally Paris / Dakar verbleicht wenn man die Schotterpiste und 30 Meter daneben die perfekt asfaltierte 2spurige Schnellstraße sieht. Safety first. Aber zu welchen Preis?

So verlasse ich die trockene Ebene südlich des AntiAtlas und fahre Richtung Nordwesten. Immer noch ist es staubtrocken, aber die Berge werden wieder höher und die Täler enger. Kurz vor Taliouine mache ich bei einem Telefonumsetzer halt für die Nacht. Ein Hirte kommt vorbei und gibt mir zu verstehen, dass es verboten ist innerhalb der Abzäunung zu zelten. Schon den ganzen Tag weht ein starker Wind, wie ein Föhn, und das Zelt wird hin und her gerissen. Zu guter Letzt baue ich es hinter der Abgrenzung auf, die Mauer schützt ein wenig vom Wind.

8 Mhamid -> irgendwo...

 17F1108Je weiter südlich umso mehr Lehm...

 17F1122Schulweg...

 17F1134Hotel de luxe...

 17F1138Gilt auch für Turisten...

 17F1142Abenteuer pur... 30 Meter neben der Hauptstraße!

 17F1147Nicht mehr weit, nur 51 Tage...

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Heimweg...

 

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