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1. Tag Plaus – Podklanec

 16F7508Endlich war es wieder soweit! Nach dem Motto „weniger ist mehr“ hatte ich diesmal einige Sachen zuhause gelassen, unter anderen die Zeltplane und die dicke Motorrad Bekleidung. So war in den beiden Koffern noch genügend Platz und sie nicht so schwer. Nachdem ich mich von meiner Familie verabschiedet hatte ging es Richtung Süden bis Trient, wo ich dann in die Valsugana Richtung Bassano del Grappa fuhr. Ich bin gegen 6.30 gestartet und machte gegen halb 9 bereits in der Poebene Halt. Der Tank war leer und Frühstück hatte ich auch noch keines. Bei einer Tankstelle bestellte ich mir einen Capuccino mit Cornetto. Insgesamt habe ich 2,40€ bezahlt, so viel wi in Südtirol nur der Capuccino kostet... Wie bereits bei meinen anderen Motorrad Reisen habe ich Mautstraßen gemieden und fuhr auf Neben- und Hauptstraßen Richtung Triest. Kurz vor Triest, es war ca. 14.00 Uhr, beschloß ich spontan die Grotten von Slivia zu besuchen. Jede volle Stunde beginnt eine Führung und so war noch Zeit für das Mittagessen.

 16F7498Pünklich um 15.00 Uhr starteten wir mit einem Traktor Richtung Grotte. Mit mir waren noch 2 weitere Besucher aus Tschechien dabei. Die Grotte ist etwas versteckt, ohne Ortskenntnisse und Schlüssel kommt man nicht rein! Wir stiegen die steile Treppe hinunter und standen mitten in einer Grotte voller Stalaktiten und Stalagmiten. So etwas habe ich noch nie gesehen. Von der Decke hängen unzählige Stalaktiten in den verschiedensten Formen und Farben. Die „Torri“, also die Türme waren 5 Meter hoch. Wenn man bedenkt dass ein Stalagmit in 100 Jahren 1 cm wächst kann man sich vorstellen, wie alt ein 5 Meter hoher Stalagmit sein muss!

Ich wollte nicht entlang der Küste nach Kroatien fahren sondern das Innenland besichtigen. Gleich nach der Grenze Italien / Slovenien ging es Richtung Osten. Die letzten 30 Kilometer ging es dem Grenzfluss Kolpa entlang. Der kleine Fluß schlängelt sich durch ein bewaldetes Tal. Auf slovenischer Seite steht ein 3 Meter hoher Grenzzaun, als ob der Fluß nicht Grenze genug wäre. Es war bereits Abend als ich müde von der Fahrt eine etwas abseits gelegene Wiese als Nachtquartier aussuchte. Weit und breit waren keine Häuser zu sehen und der Wald herum bot genügend Sichtschutz. Ich baute mein Zelt auf und warf den Benzinkocher an. Die Nudel mit Pesto schmeckten vorzüglich, es war ein lauwarmer Abend und ich kroch gegen 10 Uhr ins Bett. Davor schrieb ich noch mein Reisebuch und kontrollierte die Emails. Heute hatte ich fast 600km gemacht, das merkt man...

 

 


2. Pedrovac – Tuzla

 16F7546Die Nacht auf der Wiese war sehr angenehm. Es waren wenig Autos auf der nahen Straße unterwegs. Gegen halb sieben mache ich mich auf den Weg Richtung Grenze. Der kleine Grenzübergang macht aber erst um 8.00 auf, so habe ich Zeit mir einen Kaffee zu kochen und die Route nach Tuzla, mein Tagesziel, anzuschauen. Kurz vor acht kommt der erste Grenzbeamte. Aber er öffnet nicht die Grenze, denn die beiden Staaten Slovenien und Kroatien teilen sich ein Grenzhaus. Früher hatte jeder Staat ein eigenes Grenzhaus auf der jeweiligen Flussseite, nun „verträgt“ man sich wieder. Der Konflikt in den 90er Jahren nach dem Zusammenbruch von Jugoslawien hallt immer noch nach. Um die Wartezeit zu verkürzen bietet mir der slovenische Beamte einen Kaffee an, den ich natürlich nicht ausschlage. Pünktlich um acht Uhr kommen seine Kroatischen Kollegen und ich darf die Grenze passieren. Über kleine Straßen geht es Richtung Süden nach Bosnien Herzegovina. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel zucke ich zusammen: Scheisse, ich hab keinen Rucksack auf den Schultern. Im Rucksack befindet sich mein Laptop, den ich für die Arbeit brauche! Schnell spule ich die letzte Stunde zurück. Wo habe ich das letzte Mal den Rucksack gehabt? Resignation macht sich breit, das letzte Mal hatte ich ihn auf der Wiese, wo ich die Nacht verbracht hatte...

Es hilft nichts, ich muss zurück. Also noch einmal die 70 km zurück zum Ausgangspunkt, Gott sei Dank weiss ich noch genau wo es war. Erinnerungen an Finnland kommen auf, wo ich den Deckel eines Seitenkoffers verloren hatte. Das Glück war auch dort auf meiner Seite, etwas zerbeult hat jemand ihn neben der Straße aufgestellt. Auch dieses Mal war Fortuna auf meiner Seite: Der Rucksack samt Laptop lag direkt auf der Wiese. Ich hatte ihn beim Zusammenpacken an das Vorderrad gelehnt und einfach vergessen...

Somit hatte der verzögerte Start an der Grenze doch was gutes: Sonst wäre ich womöglich noch weiter gefahren...

Novigrad

Kroatien ist ein Land mit 2 Gesichtern: Auf der einen Seite die Mittelmeerküste mit vielen Dörfern und Hotels usw. Ganz anders das Hinterland. Dort scheint die Zeit nach dem Krieg stehengeblieben zu sein. Sehr viele Dörfer sind verlassen, die Häuser verbrannt und mit Einschusslöchern übersät. Von einstigen Bauernhöfen und Häusern ist nur mehr das Gerippe übrig, und wenn etwas neues gebaut wird dann meistens direkt daneben, ohne das alte abzureißen. Schaurig...

 16F7589Aufgrund der Ehrenrunde am Morgen komme ich erst nachmittags an die Grenze zu Bosnien Herzegovina. Irgendwie ist mir mulmig, da es sich um ein ehemaliges Kriegsgebiet handelt und ich nichts über den Balkankrieg wusste. Die Grenze verläuft direkt am Fluss Save. Ich fahre über die Brücke und sehe auf der linken Straßenseite den Grenzbeamten im Häuschen sitzen, 20m weiter auf meiner Seite das nächste Haus. Also fahr ich bis zum zweiten Haus weiter. Gleich darauf höre ich jemand hinter mir schreien und pfeifen. Ooops, das war zu weit... Ich lasse das Motorrad stehen und gehe zurück. Sogleich bekomme ich einen Anschiss auf Kroatisch, den ich Gott sei Dank nicht verstehe. Ich muss umkehren und noch einmal aus Kroatien ausreisen, diesmal mit Fahrzeugkontrolle. Wenn's sein muss... Nervös werde ich nur weil ich die Versicherungsunterlagen nicht gleich finde. Nach kurzem Überlegen finde ich sie, im Rucksack...

Bosnien hat mich positiv überrascht. Es wird sehr viel gebaut, die Hauptstraßen sind sehr gut instand gesetzt und viele neue Häuser werden gebaut. Aber auch hier sind die stummen Zeugen des Krieges noch nicht verschwungen: viele Hausgerippe und Einschusslöcher, daneben aber im Gegensatz zu Kroatien neue Häuser, Gärten, einfach gepflegter. Mein heutiges Tagesziel ist Tuzla im Nord Osten Bosniens. Ich habe auf dem Navi einen Campingplatz in der Nähe von Tuzla gefunden. Bereits die Anfahrt lässt nichts gutes Erahnen. Trotzdem fahre ich die Schlammpiste auf einen kleinen Hügel hinauf. Die ausgewaschenen Fahrspuren enden direkt bei einem Tierheim, von einem Campinplatz keine Spur. Es wimmelt von Hunden und das Bellen schreckt alle auf. Ich kehre um, ich will die Hunde nicht noch mehr aufschrecken. Wieder auf der Teerstraße angekommen suche ich den nächsten Platz. Gott sei Dank ist er nicht weit, nur 12 Kilometer. Ich folge dem Navi, und wieder ahne ich fürchterliches. Von der Hauptstraße zweigt ein Traktorweg ab, ich fahre durch eine 20 qm große Pfütze und einen Hügel hoch. Hinter dem Hügel liegt ein wunderschön gelegener kleiner See, am Ufer campen bereits viele Bosnier, aber vom Camping keine Spur. Kein Wunder, laut Elektronik fehlen noch 500 Meter zum Ziel. Blöd nur dass nach 100m auch der Weg aufhört und nur mehr eine zugewachsene Spur weitergeht. Voller Zuversicht fahre ich der Spur nach, um nach 20 Meter komplett im Schlamm stecken zu bleiben. Das Hinterrad hat sich festgefressen und die beiden Koffer sitzen rechts und links auf. Nichts geht mehr! Genervt steige ich ab und checke die Lage. Seitenständer brauche ich keinen, die Kiste steht wie eine eins... Es ist heiß und ich entledige mich der Handschuhe, Helm und Jacke. Auch nach mehrmaligen Versuchen komme ich keinen Zentimeter vom Fleck. Ich überlege schon, Hilfe zu holen, aber mein Ehrgeiz lässt es nicht zu. Also versuche ich mir dn Händen das Hinterrad zu befreien. Ein großer Stein liegt genau vor dem Hinterrad und blockiert es. Erst nachdem ich den Stein ausgegraben habe komme ich mit reichlich Gas aus der misslichen Lage heraus. Endlich! Ich drehe um und fahre den Weg wieder zurück. Nur nicht wieder in einer Traktorspur hängen bleiben! Es klappt und ich fahre zurück zu den bosnischen Camper. Nur einer versteht ein wenig Englisch und erklärt mir, dass es hier für Ausländer gefährlich ist und dass die Straße zum Camping Platz um den Hügel führt, nicht darüber. Ich bedanke mich und fahre zurück auf die Hauptstraße. Die Wegbeschreibung ist diesmal gut und ich komme mit reichlich Verspätung am Campingplatz an.

Der Campingplatz liegt direkt am selben See wo ich vorhin war, nur auf der anderen Seite. Ich habe noch etwas Pesto und Nudel übrig, ein freier Tisch ist auch schnell gefunden. Mein Benzinkocher zischt fröhlich vor sich hin, während ich die offenen Email beantworte und mich Zuhause melde. Direkt neben meinem Zelt hat sich eine Familie in einem Bungalow eingemietet. Sie waren in Bulgarien und fahren jetzt Richtung Tschechien nach Hause. Die beiden Kinder sind 4 und 6 Jahre alt und schlafen das erste Mal auf einem Campingplatz. Nach ein wenig Small Talk trennen sich unsere Wege, sie fahren in das Dorf um etwas zu essen, ich gehe duschen. Heute war nicht mein Tag, zuerst den Rucksack vergessen, dann ein Tierheim statt Campingplatz gefunden und zu guter Letzt im Schlamm stecken geblieben. Müde schlafe ich gegen 21 Uhr in meinem geliebten Zelt ein.

 


3. Tag: Tuzla → Biela Crkva

 16F7596Die Nacht war angenehm, nur die Nachbarn waren anfangs ein wenig laut. Der morgentliche Toilettengang gestaltet sich schwierig: beim einzigen WC auf dem Campingplatz ist die Tür kaputt und lässt sich nicht öffnen. Den Spuren hinter dem Duschhäuschen folgend muss es schon länger nicht funktionieren. Ich mache Fotos von Sonnenaufgang und vom See und genieße die Ruhe am Morgen. Der Campingplatzwärter kommt erst um 8.00 Uhr und somit habe ich keinen Stress. Nachdem ich zusammengepackt hatte fuhr ich in die Innenstadt von Tuzla. Im Zentrum herrscht bereits hektisches Treiben der Handwerker und Arbeiter. Ich parke vor einem Farbengeschäft und gehe zu Fuß weiter. Der Hauptplatz wird von alten Häusern begrenzt, alles ist sauber und gepflegt. Der Krieg vor 30 Jahren hat in den Randbezirken seine Spuren hinterlassen, immer noch sind viele Gebäude von Einschusslöchern gezeichnet. Die Innenstadt hingegen erstrahlt im neuen Glanz! Auf meiner Reise durch Bosnien und Kroatien habe ich keine Minenschilder mehr gesehen. Trotzdem ist der Krieg immer noch allgegenwärtig... Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich kaufe in einer Bäckerei etwas Brot und am gegenüberliegenden Obststand ein paar Tomaten und Peperoni. Als ich frage wie viel es kostet lacht die Verkäuferin und wünscht mir einen schönen Tag! Ich bin baff, verstaue das Essen in den Koffern und winke freundlich zurück! Auf meiner ganzen Reise soll es mir noch öfters so gehen...

 16F7726Mein Ziel heute ist die Grenze zu Rumänien. Um dorthin zu kommen durchquere ich Serbien ganz im Norden. Die Straßen in Bosnien waren interessant und hügelig, Serbien hingegen ist im Norden flach. Deswegen fahre ich ein Stück Schnellstraße, erst in der Nähe der Donau wird es hügeliger. Es ist noch früh und so fahre ich nicht auf direktem Weg zum Campingplatz, sondern nehme eine Seitenstraße der Donau entlang. Direkt am Ufer schlängelt sich ein kleines ungeteertes Sträßchen entlang, perfekt um mich auf unbefestigte Wege einzustellen, die mir noch bevorstehen. Es ist warm und ich ziehe die Handschuhe aus, um sie unter der Jacke zu verstauen. Diese Unachtsamkeit wird auch prompt bestraft, am nahen Campingplatz Camping Oaza bemerke ich dass einer fehlt. Ich könnte mich erwürgen, aber was solls... An einem kleinen See liegt ein Campingplatz. Direkt daneben ein zweiter. Ich entscheide mich für den ersteren und kleineren. Die Entscheidung war gut: es ist ein neuer Platz mit Küche, WC, Duschen, WLAN und Strand. Der Besitzer, ein junger Mann um die 30 Jahre, ist sehr freundlich und erzählt mir, dass er erst seit 2 Jahren den Platz besitzt und es schwierig ist, gefunden zu werden. Die Übernachtungskosten von 5€ (alles inklusive) soll ich per Paypal bezahlen, ich habe kein serbisches Geld gewechselt. Der Abend wird lang, ich kann nicht einschlafen. Direkt am Campingplatz wird ein Western Film als Freilicht Kino gezeigt und es muss sehr viele Tote gegeben haben. Und wieder denke ich an den Krieg vor 30 Jahren...

 


4. Tag: Bela Crkva → Campu lui Neag

 16F7748Mein Finger schmerzt. Gestern Abend habe ich mir voll die Finger beim Kochen verbrannt. Die Gasflamme in der Küche war zu groß für meinen Topf. Die Mücken warten bereits vor Sonnenaufgang auf die ersten Opfer, es erinnert mich an Finnland, wo ich mit Helm und voller Motorradkluft das Zelt aufbaute...

Ich koche mir einen Kaffee, packe meine Sachen zusammen und fahre noch einmal denselben Weg zurück, um den verlorenen Handschuh zu suchen. Mittlerweile bin ich es ja gewohnt, zu Beginn eine Ehrenrunde zu drehen. Leider finde ich den Handschuh nicht mehr, hoffentlich bekommt er bei einem Bauern ein zweites Leben. Zur Grenze ist es nicht mehr weit. Die Ausreise nach Rumänien gestaltet sich einfach: auf beiden Seiten wird der Pass kontrolliert, gestempelt und fertig. Der Zöllner auf Rumänischer Seite frägt nach, ob ich eine Kalaschnikow, Alkohol oder Zigaretten (in dieser Reihenfolge) mithabe Ich verneine zumindest bei den letzten beiden...

Mein nächstes Ziel ist Bigar, ein wunderschöner Wasserfall. Er liegt direkt auf dem Weg Richtung Baila Herculanum, direkt neben der Straße. Bei der Brücke über den Fluss muss man 5 Lei Eintritt bezahlen. Leider habe ich nur Euro Münzen dabei, die der Wärter aber nicht annimmt. Enttäuscht drehe ich um. Ein Rumäne hat die Situation mitbekommen, läuft mir nach und erklärt mir, er will die 5 Lei für mich bezahlen. Der Wasserfall ist zu schön um ihn nicht zu besichtigen. Ich gebe ihn als Ausgleich 1 Euro. Wo passiert so etwas bei uns?

Über ein Bett aus Moos fließt das Wasser in den darunterliegenden Bach. Von beiden Seiten kommt man direkt an den Wasserfall hin. Ein wunderschönes Motiv, das auch viele Heiratswillige anzieht, um ein Selfie mit dem Handy zu machen.

Die dazugehörige Tropfsteinhöhle ist wegen Bauarbeiten geschlossen. Trotzdem wird Eintritt verlangt, für was habe ich nicht wirklich verstanden.

 16F7755Baila Herculanum ist eine kleine Stadt die ihre besten Zeiten leider schon hinter sich hat. Es war bereits seit Römerzeiten eine Heilanstalt und auf beiden Seiten des Flusses gibt es unzählige Buchten und Bäder. Die alten Häuser zeugen von großem Reichtum und Kultur, welche aber beide dem Kommunismus zum Opfer gefallen sind. Es ist heiß, ich trinke in einer Bar einen Kaffee und mache mich erneut auf den Weg. Heute will ich das erste Mal die Karpaten überqueren. Die Kombination aus Karte und Navigationsgerät hat sich bestens bewährt. Ich wähle die Straße 67D nach Cerna Sat aus, sie führt direkt an einem großen Stausee entlang. Was ich nicht wusste: die Straße ist offiziell geschlossen, ein großes Hinweisschild steht an der letzten Abzweigung. Ich will es trotzdem versuchen. Direkt hinter dem Schild beginnt eine breite Schotterstraße, die sich bei Cerna Sat aber verengt und nur mehr eine Fahrspur breit ist. Wasser fließt über den Schotter, bei besonders steilen Abschnitten wurden Betonplatten verlegt, die aber auch nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort sind. Immer weiter nach oben schlängelt sich die Straße. Kurz vor dem Staudamm kommt mir ein VW Passat entgegen. Ich bleibe stehen, der Lenker öffnet das Fenster, es ist ein Engländer auf Urlaub mit seiner Familie. Auf meine Frage hin, wie es mit der Straße weitergeht, meint er nur: „Bei den ersten Schlammlöchern mit 30cm Tiefe bin ich umgekehrt“. Er rät mir ab weiterzufahren, aber ich probiere es trotzdem. Oben angekommen bin ich ein wenig enttäuscht. Ich dachte an einen schönen See mit Ufer zum übernachten, aber die Ufer sind sehr steil und bewaldet, die Straße führt 50 m oberhalb der Wasserlinie und es führt kein Weg hinunter. Ich entschließe mich weiterzufahren, obwohl der Navi mich bereits in der tiefsten Pampa vermutet und weit und breit keine Straße ist. Der Weg mit Meter für Meter schlechter. Die Schlammlöcher werde tiefer und größer, mehrmals schlägt es mir die Scheibe gegen den Helm, weil es rauf und runter geht wie auf der Achterbahn. Nach einigen Kilometern kommt mir wieder ein Fahrzeug entgegen. Diesmal ein Geländewagen mit 4 Rumänen. Auf meine Frage hin, wie die Straße wird, fragt mich einer, ob ich Europäer bin.  16F7766Ich bajahe und er meint nur, dann sollte ich lieber umkehren... Mein Ehrgeiz ist geweckt. Jetzt muss ich es schaffen. Mir ist schon mulmig, als nach 1,5 Stunden immer noch kein Ende in Sicht ist. Ich habe den See bereits hinter mir gelassen, aber die Straße steigt immer weiter an. Wieder kommt mir ein Geländewagen entgegen, wieder sind es Rumänen. Die Eltern verstehen kein Englisch, aber die beiden Kinder sprechen perfektes Englisch. Sie sind auf Urlaub und haben ein kleines Haus in den Bergen. Der Vater erklärt, mit Hilfe der Kinder, dass die Straße nicht mehr lang ist und sie nach einigen Kilometern besser wird. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Wir verabschieden uns und ich fahre weiter. Nach einigen Kilometern erreiche ich den Scheitelpunkt, ein perfekter Platz zum Übernachten. Nur ist es bereits besetzt und ich habe keinen Empfang. Zumindest am Abend möchte ich schon Zuhause anrufen, um ein Lebenszeichen zu geben.

So fahre ich weiter, über groben Schotter und Sand, bis mich nach 2,5 Stunden die Wildnis wieder ausspuckt. Es ist bereits Abend und es wird dunkel, als ich bei Campu lui Neag hinter dem Dorf bei einem Fluß mein Zelt aufschlage. Ein Einwohner kommt vorbei und ich deute ihm, ob ich hier bleiben kann. Er nickt. Ein wenig mulmig ist mir schon, aber es bleibt mir nichts übrig.


5. Tag: Ciampu lui Neag → irgendwo

 16F7777Die Nacht war angenehm, ich habe geschlafen wie ein Stein. Noch vor Sonnenaufgang packe ich meine Sachen und mache mir einen Kaffee. Bein zusammenräumen kommt der gleiche Rumäne wieder vorbei und fragt mich, ob alles OK sei. Hm. Immer diese Vorurteile!

Bevor es Richtung Schloss Corvinilor geht mache ich noch einen Abkürzung, denn die Hypotenuse ist kürzer als die Summe der Katheten. Die Strecke mag ja stimmen, aber bei der Zeit lässt sich darüber diskutieren. Noch nie habe ich für 100 Meter eine halbe Stunde gebraucht. Der Schlamm in Kombination mit meterhohen Böschung nach oben und 30 Zentimeter tiefen Traktorspuren verlangten alles von mir ab. Immer und immer wieder rutschte ich in eine Schneise, kam nicht mehr weiter, blieb mit den Koffern an der Böschung hängen, rollte zurück usw. Ich wollte schon aufgeben, aber einmal probiere ich es noch. Endlich schaffe ich in der Mitte zu bleiben und kämpfe mich nach oben! Geschafft. Der Offroad Kurs für BMW Fahrer (sorry, Jungs) konnte ich mir sparen. Ich will den sehen, der mit einer vollbepackten Enduro solch eine Schlammpiste stehend hochfährt.

Schloss Corvinilor ist sehr schön und groß. Der Eintritt ist nicht teuer, aber man muss in bar bezahlen. Also nochmal die 200 Meter zum Parkplatz und zum Bankomat. Es sind sehr viele Besucher auf dem Schloss, auch etliche Brautpaare. Die „Folterkammern“ kann man sich sparen,  16F7783es sind ein paar zusammengetragene Folterwerkzeuge zu sehen. Der Rest des Schlosses ist sehr interessant.

Auf Anraten des freundlichen Rumänen, der mir die 5 Lei beim Wasserfall Bigar bezahlt hat, fahre ich auf die Transalpina. Die „Straße der Straßen“ neben der Transfagarasan ist sicherlich interessant für jemanden, der gerne Kurven fährt und außer Wald und Seen nichts sehen will. Ich habe aber bereits letztes Jahr genügend Grüntöne durch Finnland gesehen, und Kurven habe ich in Südtirol auch genügend. Neu waren aber die Horden an Pilzesuchern und Schwarzbeer-Pflücker. An den Umschlagplätzen türmten sich die Kisten voll mit Pilzen, Kinder verkaufen direkt am Straßenrand alle möglichen Beeren. Ich bleibe auch stehen und kaufe 2 Kindern einen Sack voll Schwarzbeeren ab.

Die Transalpina zieht sich, gegen 17.00 Uhr habe ich genug und bleibe bei einer Wiese neben der Straße stehen. Dort sind schon mehrere Familien zum zelten und ich schließe mich ihnen an. Sobald ich das Motorrad geparkt habe kommt der Nachbar mit einem Schnaps, den ich unbedingt kosten muss. Seine Frau bringt gleich darauf einen Teller Suppe, sie haben zuviel. Die schmeckt vorzüglich. Der Mann spricht deutsch und war vor 30 Jahren nach Italien illegal geflüchtet. Nach einigen Jahren in Italien hat ihn sein Chef illegal über Deutschland nach Belgien gebracht und dort die Anwaltskosten für den Asylantrag übernommen. Jetzt ist er in Pension und kommt auf Urlaub nach Rumänien.

Ich koche meine Nudel mit Tomaten / Mozzarella, als die nächste Familie mir einen Besuch abstattet. Ein 16jähriger fragt mich in guten englisch, ob ich mit ihnen Abendessen möchte, sie haben Fleisch und Wurst und sein Vater möchte mit mir reden. Ich versuche abzulehnen, aber es gelingt mir nicht. So esse ich an diesem Abend 3 mal bei 2 verschiedenen Familien. Der Sohn hat sich Englisch selbst mit Computer Spielen beigebracht. Sie kommen aus Bukarest und gehören der höheren Schicht an. Ich spreche lang mit den Jungen, über das Leben in Rumänien und die Zukunft. Der Vater horcht zu und macht einen ernsten Eindruck. Auf meine Frage hin, wie sie den Kommunismus erlebt haben, meint er nur, es war hart, aber einige Bereiche auch besser. Der Junge sehnt sich sogar den Kommunismus zurück: zumindest jeder hatte eine Arbeit. Erst später auf meiner Reise tauche ich tiefer in dieses Thema ein.

Zelten mit rumänische FamilienZelten und Grillen gehört mit Sicherheit zu den Lieblingsbeschäftigungen der Rumänen, anders kann ich es mir nicht vorstellen, dass so viele Menschen am Wochenende losfahren, irgendwo stehenbleiben, zelten, grillen und dann wieder heimfahren. Nur beim Umweltschutz sollten sie ein wenig aufholen. Nach dem Grillen wird einfach der ganze Müll in ein Plastiksack getan und auf das Feuer geworfen. Auch die Glasflasche, deren Scherben beim Explodieren mein Schienbein getroffen hat...

Nach den obligatorischen Kaffee verabschiede ich mich von den beiden Familien, morgen will ich wieder früh starten.

 

 

 


 

6. Tag: Irgendwo → Sibiu

 16F7860Ich starte wieder bei Sonnenaufgang. Der Vater des Jungen ist bereits wach und winkt mir nach. Heute will ich über die Transfăgărășan nach Sibiu fahren. Bei einem Straßenverkäufer kaufe ich wieder Obst und Gemüse ein. Eindringlich ratet er mir ab, alleine in die Berge zu gehen und zu Wandern. Es kommt mir fast wie bei Monopoly vor: Gehen Sie in das Gefängnis, gehen Sie nicht über Los, begeben Sie sich direkt dorthin. Ich soll ja nich nach rechts oder links schauen, direkt nach Sibiu fahren. Am schlimmsten sollen nicht die Bären sein, sondern die „bösen“ Menschen. Anscheinend gibt es Rumänen und Rumänen. Irgendwie kommt mir vor ist jeder gegen jeden: Nord gegen Süd, West gegen Ost, Arm gegen Reich, Stadt gegen Land usw. Ich bin nie draufgekommen warum. Ich fahre über Petrosani nach Ramnicu Valcea und nach Argisch auf die Transfăgărășan. Es ist unter der Woche und der Verkehr hält sich in Grenzen. Die Transfăgărășan erinnert an die Stilfser Joch Straße, nur viel länger. Das Wetter ist perfekt: blauer Himmel, angenehme Temperatur und kein Wind.

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 16F7923Am Scheitelpunkt zwischen Nord und Südseite ist ein 500 Meter langer Tunnel. Und plötzlich steht alles. Ich schleiche mich langsam im Tunnel an die Autos vorbei. Anders als bei uns, wo die Fahrer die Autos abstellen und warten, beginnen die Rumänen ein Hupkonzert mitten im Tunnel, es werden die Motoren hochgedreht und ein Höllenlärm entsteht. Nichts wie raus hier, glücklicherweise kommt mir auch niemand entgegen. Am Ende des Tunnels herrscht das Chaos: Die Parkplätze sind überfüllt, Menschen wuseln umher. Ein Bus sperrt die komplette Straße, es gibt keinen Parkplatz und so ist er einfach stehengeblieben und wartet nun auf seine Gäste. Ich umfahre die Hindernisse und grinse über beide Ohren: die Transfăgărășan gehört mir alleine! Nur eine Kleinigkeit macht mir einen Strich durch die Rechnung: das Wetter! War es auf der Südseite noch wolkenlos und die Sonne strahlte vom Himmel, so war es hier grau in grau: Der Himmel war komplett geschlossen, Nebel machte sich breit und man konnte nicht mal 30 Meter sehen.

Trotzdem machte ich mich auf dem Weg nach unten, ich wollte die Straße für mich haben. So konnte ich die ganze Transfăgărășan Nordrampe geniesen, ohne Autos oder Motorräder vor oder hinter mir. Es kamen viele entgegen, aber die Straße ist breit und gut instandgehalten. Also kein Problem.

Richtung Sibiu wurde die Landschaft flacher und die Temperaturen stiegen wieder an. In Sibiu parkte ich fast im Zentrum beim Markt. George, ein Blumenverkäufer war der Einzige, der seinen Stand noch offen hatte. Morgen war Feiertag und viele Rumänen kauften Blumen ein. Wir diskutierten lange über Gott und die Welt, über die Zukunft und das Leben. Eindringlich warnte er mich vor dem Osten Rumäniens und den Menschen dort. Wieder einmal...

Sibiu 02Sibiu oder Hermannstadt ist eine alte Stadt in Siebenbürgen und lange Zeit Zentrum der Sachsen in Siebenbürgen. Davon zeugen heute noch alte Häuser und deutsche Innschriften. Es gibt immer noch deutsche Kindergärten und Schulen. Das Stadtzentrum ist sehr schön, auf dem großen Platz im Zentrum flanierten die Touristen und Einheimische, auf einer großen Tanzbühne tanzten Einheimische traditionelle Tänze in Tracht. Wie auch in Tuzla waren die Häuser alt, aber saniert und sehr schön. Sobald man sich aber etwas davon entfernte und in die Peripherie ging änderte sich das Bild schlagartig: alte, verlassene Häuser mit maroden Dächern säumen die Straßen. Etwas ausserhalb von Sibiu habe ich einen Campingplatz, Camping Ananas, gefunden. Er wird von 2 Deutschen geführt und befindet sich in Michelsberg – Cisnădioara, ca 10 Kilometer von Sibiu entfernt.


 

7. Tag: Sibui – Noroiosi

NoroiosiDas Wetter zeigte sich nicht von seiner besten Seite, als ich gegen 10 Uhr losfuhr. Ichg wollte heute Richtung Osten fahren, Ziel war das Dracula Schloss in Bran und die Schlammvulkane bei Noroiosi. Bei Fagaras tanke ich und kaufe Obst und Gemüse ein. Das Schloß entpuppt sich als Privatbesitz und ist geschlossen. Eine altre Frau, die ich vor dem Schloss treffe erzählt mir ihre Lebensgeschichte: Ihr Mann ist blind, die Kinder sind in Italien und sie schaut auf die 2 Schweine. Das Geld reicht nur für das nötigste und sie holt sich das Gras für die Schweine von den Wegrändern in der Umgebung. Und wieder werde ich vor den Rumänen gewarnt. Mittlerweile weiss ich in circa auf was es sich bezieht: Zigeuner, Roma. Sie haben im eigenen Land eine schwierige Position: werden vertrieben, ausgegrenzt, diskriminiert. Man erkennt sie an der dunkleren Hautfarbe und den Gesichtszügen. Aber wie so häufig gibt es immer schwarze und weisse Schafe auf der Weide und gute und weniger gute Menschen.

 16F7950Ich fahre weiter Richtung Bran. Es liegt etwas weiter südlich von Brasov und wird als das Dracula Schloss verkauft. Bereits von weiten ist es auf einer kleinen Anhöhe ersichtlich. Es zieht sich aber noch, denn ich bin nicht der einzige, der das Schloss besichtigen möchte. Lange Autoschlangen stehen vor dem Dorfkern, um einen Parkplatz zu ergattern. Ich will in einen Parkplatz einbiegen als sogleich die Wächterin armwedelnd mich abweist. Also noch einmal eine Ehrenrunde im Dorfkern. Endlich finde ich einen Platz und lasse meinen Untersatz stehen. Das Schloss ist mit einem großen Park umgeben, sehr gepflegt und jetzt im Sommer blühen die Rosen und Blumen in ihrer ganzen Pracht. Bis zum Eingang zum Park sind es 300 Meter, die Straße ist gesäumt von Kiosks und kleinen Geschäften. Es wimmelt an Touristen und die Warteschlange zum Ticketschalter ist 200 Meter lang. Ich überlege nicht lange, dieses Spektakel muss ich mir nicht geben. Das Schloss kann noch so schön sein, eine Stunde anstehen ist nicht mein Ding. Ich esse in einem ital. Restaurant neben einer amerikanischen Gruppe zu Mittag. Die Gruppe hat einen lokalen Reiseführer und den Gesprächen nach ein straffes Programm: Essen, Trinken, Party, Trinken, Schlafen. Wenn es sich dazwischen ausgeht dann noch ein wenig Kultur....

Von Bran geht es zurück Richtung Brasov und dann südöstlich nach Buzau. Die Landschaft ist leicht hügelig, die Straße sehr gut. Doch die Gegend ist sehr arm. Vor den Häusern sitzen viele junge Menschen, ich denke Arbeitslose. In einem Steinbruch sehe ich beim vorbeifahren Kinder, die Steine spalten und vom Staub ganz schwarz im Gesicht sind. Beim Vorbeifahren werde ich mit argwöhnischen Augen betrachtet, ganz anders als im übrigen Rumänien, wo die Menschen schon mit der Körpersprache eine positive Stimmung ausstrahlen. Ich bleibe nicht stehen und fahre weiter bis Berca (kurz vor Buzau) und biege links ab. Bei den Schlammvulkanen soll es in der Nähe einen Campingplatz geben. Hoffentlich nicht wieder ein Tierheim...

 16F8266Ich habe Glück, bereits einige Kilometer davor zeigen mit Schilder den Weg. Das ist in Rumänien eine Ausnahme, normalerweise ist das Schild direkt beim Eingang, den Weg dahin muss man selber finden. Nach Policiori biege ich rechts ab und komme nach einen Kilometer tatsächlich an den Campingplatz. Es ist eine Wiese, eingebettet in sanften Hügeln, überall hört man die Glocken der Schafe auf den Weiden. Aurel, der Besitzer des Campingplatzes, ist sehr geschäftstüchtig, aber vor allem nett. Die Nacht kostet 5€ inlusive alles, Parken kann man wo man will, Zelten auch. Die Ausstattung des Campingplatzes ist zwar nicht überwältigend, aber man hat alles was man braucht: offene Küche, viele Tische, Shop, Grillplätze, Duschen und WC's. Und das wichtige: die Vulkane sind 300 Meter entfernt. Was will man mehr.

Auf dem Campingplatz lerne ich einen Italiener kennen. Er ist auch mit dem Motorrad unterwegs und ein Kilometerfresser. Er ist mir nicht sympathisch und redet nur von Leistung, Kilometer, Fahrstunden. Etwas was mich beim Reisen überhaupt nicht interessiert.

Noroiosi oder Am 8ten Tag sollst du ruhn, am besten gar nichts tun.

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Ich war jetzt 8 Tage unterwegs und brauchte einen Rasttag. Die Schlammvulkane sind eine geologische Eigenheit. Methangas steigt durch Spalten hoch und drückt ständig Schlamm und Wasser aus dem Boden. Die Landschaft schaut aus wie auf dem Mond, im Umkreis von 300 Metern wächst nichts, nur Lehm und dazwischen die Vulkane. Wobei Vulkan etwas übertrieben ist: entweder es sind einfach kreisrunde Wasserlöcher, oder Schlammkegel bis ca. 4 Meter Höhe. Trotzdem verbringe ich dem Morgen und Abend dort oben, dazwischen trinke ich mit dem Parkwächter ein Bier. Um die Vulkane vor Vandalen zu schützen bewacht 24 Stunden, 7 Tage in der Woche ein Parkwächter das Gelände. Das Tickethaus ist gleichzeitig Wohnwagen, der Wächter bleibt 2 Tage und 2 Nächte direkt dort und dann wird gewechselt. Urlaub: keinen, Feiertage: gibt es nicht.

Er erzählt mir von lustigen Episoden, wo Menschen in die Löcher gefallen und Digitalkameras untergegangen sind. Das Methangas ist nicht ungefährlich, es herrscht striktes Rauchverbot auf dem ganzen Areal.

 


 

8. Tag: Noroiosi – Merighiol

NorolosiNach 2 Tagen am selben Ort juckt es mich wieder. Ich fahre Richtung Tulcea in der Nähe des Donaudeltas. Die anfänglichen Hügel verschwinden bald und die Straße gerader. Bei Braila muss ich mit der Fähre über die Donau.

TulceaAuf der Fähre lerne ich einen Italiener kennen, der mit seiner rumänischen Frau Urlaub macht. Er ist selbst Motorrad Fahrer und von meiner Reise begeistert. Ich sollte mich unbedingt melden, falls ich etwas bräuchte. Ich hatte schon etwas was mir auf dem Magen lag: ich hatte das Kettenschloss verloren. Das offene Kettenglied war zwar fest, aber ich wollte mir nicht ausmalen wenn es verloren ginge. Ah, kein Problem. Ich sollte mich melden sobald ich in Tulcea angekommen war. Er kannte einen guten Mechaniker. Wir tauschten die Telefonnummern aus und verabschiedeten uns. Die ganze Fahrt nach Tulcea überlegte ich mir ob ich anrufen soll oder nicht. Im Zentrum angekommen rief ich trotzdem an. Was sollte denn schon Mitten in der Stadt passieren. Er hob auch gleich ab und sagte, sein Freund arbeitet etwas außerhalb des Zentrums, ich sollte ihm mit dem Motorrad folgen. Mein Kopfkino malte schon die dunkelsten Bilder, wie ich ohne Motorrad, Koffer und Dokumente mitten in Tulcea festsaß und ich per Bus und Zug heimfahren konnte. Es wurde auch nicht besser, als wir in eine Seitenstraße einbogen und nach 200 Meter auf der Straße stehen blieben. Ein junger Mann kam aus einer Werkstatt und ich fühlte mich total hilflos. Schnell war das Problem erklärt und noch schneller die Lösung: mit 2 Hämmern wurden die beiden Stifte flach geschlagen wie eine Niete. Fertig. Ich war erleichtert! Ich lebe noch und habe auch mein Motorrad nicht verloren. Kosten für die Reparatur? Gar nichts! Sie wollten nicht einmal zusammen in der Bar nebenan etwas trinken. Und wieder fühlte ich mich elend: wie leicht lässt man sich von den eigenen Vorurteilen einschränken!

Nach der erfolgreichen Reparatur fuhr ich noch einmal in die Stadt und schlenderte durch die Straßen. Tulcea ist eine Industriestadt direkt an der Donau, die großen Schiffe fahren direkt am Hafen vorbei. Die Häuser sind in schlechter Verfassung, aber das Leben in der Stadt pulsiert. Direkt am Hafen esse ich eine Fischsuppe als Mittagessen und lasse die Stadt auf mich wirken. Es ist nicht mehr weit zu meinem Ziel heute: Merighiol im Donaudelta. Direkt in Merighiol finde ich einen Campingplatz und baue mein Zelt auf.

Die Temperatur ist warm und direkt neben dem Campingplatz liegt der breite Schilfgürtel des Deltas. Ohne Boot kommt man nicht weiter.

 16F8595Auf dem Campingplatz treffe ich auch das Österreichische Paar wieder, welches mir bereits in Sibiu auf dem Campingplatz aufgefallen ist. Sie sind mit einem Pickup mit Camper Aufsatz unterwegs. Es entwickeln sich sehr schöne und tiefgründige Unterhaltungen. Wir sind auf der gleichen Wellenlänge, und wie sagt man so schön: man trifft sich immer 2Mal im Leben!


 

9. Tag: Donaudelta

 16F8322Um ins Delta zu kommen braucht man ein Boot. Das war mir am Reisebeginn nicht klar, jetzt wird es mir aber umso mehr deutlich. Das Delta ist mit 5800 km² das zweitgrößte Flussdelta in Europa, ohne Boot geht gar nichts. Ich habe direkt beim Campingplatz eine Bootsfahrt gebucht. Jeder hier hat ein Boot und bietet Exkursionen ins Delta an. Es war für mich am einfachsten, denn wir starteten um 6 Uhr direkt vom Campingplatz mit dem Auto und fuhren ca. eine halbe Stunde zum Anlegeplatz. Mit mir waren auch noch ein Pärchen aus Österreich und 2 Deutsche mit rumänischer Reisebegleitung. Das Delta besteht aus unzähligen Nebenarmen und Seen, verbunden durch kleine Verbindungswege. Mir dem kleinen Boot kommen wir in jeden noch so kleinen Nebenarm rein und können wir wunderbare Natur aus nächster Nähe betrachten. Das Naturreservat wird in 3 Teile eingeteilt: der kommerzielle Teil, wo wir unterwegs sind und wo die Einwohner auch fischen dürfen, der gesperrte Teil, wo nur Biologen mit Genehmigung reindürfen und der komplett gesperrte Bereich, wo niemand rein darf.

 16F8299Mir genügt auch der kommerzielle Teil, es gibt dort eine Vielzahl von unterschiedlichen Vögeln und Tieren. Unser Bootsführer kennt einige Plätze wo wir brütende, rastende oder nahrungssuchende Vögel beobachten können. Das Wasser ist ausgesprochen sauber, ich habe es mir viel schmutziger vorgestellt. Bedenkt man dass die Donau auf ihrer Reise bis hierher unzählige Staaten und Städte passiert habe ich nur einmal eine Plastikflasche gesehen. Rekord...

Um schöne Fotos von den Vögeln machen zu können bräuchten wir mehr Zeit. Natürlich will uns der Guide soviel wie möglich zeigen, auch Pelikane. Bereits von weiten erkennt man die rosarot/weissen Vögel an ihrer Größe. Um zu fischen breiten sie die Flügel aus damit die Fische im „Schatten“ sich sicher fühlen. Wir nähern uns langsam der Gruppe, die sich aber gestört fühlt und gemeinsam davonfliegt. Den Deutschen gefällt es, wir finden es schade, dass die Vögel so aufgescheucht werden. Aber unser Boot ist nicht das einzige, das sich so weit nähert. Manche fahren direkt in die Pelikangruppen, um sie aufzuschrecken. Auf meine Frage hin, ob es den Tieren nicht schadet wenn sie vom Fressen abgelenkt werden, meint der Guide einfach, sie könnten ja irgendwo anders hinfliegen. Nun denn.

Auf dem Boot spreche ich viel mit dem Guide, dem Camping Besitzer. Er hat einige Jahre in Italien gearbeitet und spricht fließend 4 Sprachen. Nur Deutsch fehlt ihm und so übernehme ich die Übersetzungen. Er spricht viel über Rumänien, über Kommunismus und Armut, von Stolz und Zukunft. Rumänien ist durch den Kommunismus und Diktatur für lange Zeit gebremst worden. Jetzt befindet es sich im Aufschwung. Hoffentlich in die richtige Richtung!

Am Nachmittag bin ich auf Anraten hin nach Enisala gefahren. Ein kleines Dorf im Süden von Merighiol mit einer alten Festung. Hier treffe ich auf einen Spanier in einem Mercedes ML, der gerade eine Weltreise begonnen hat. Wir haben aber keine Zeit zum plaudern, er muss weiter... Wahrscheinlich will er in 80 Tagen wieder zurück sein.


 

10. Tag: Merighiol → Vadu lui Voda

 16F8614Heute geht’s Richtung Moldawien. Eigentlich wollte ich von Moldawien weiter in die Ukraine, aber vor einigen Tagen gab es wieder eine Eskalation der Krise zwischen Ukraine und Russland. Ich wollte nicht irgendwo im Nichts stranden. Und Moldawien als kommunistisches Land tut's auch.

Start war gegen 7.00 Uhr am Campingplatz. Bei Galati ging es wieder mit der Fähre über die Donau. Das Wetter war durchwachsen, aber es regnete nicht. Die Wartezeit bei der Grenze zu Moldawien hielt sich in Grenzen. Die Ausreise aus Rumänien war einfach. Schwieriger war die Einreise in das ehemalige kommunistische Land. Die Grenzbeamten konnten bis auf eine junge Beamtin kein Englisch. Es wurde mein Pass kontrolliert und per Computer abgeglichen. Warm wurde mir nur als die Beamtin die Seriennummer auf dem Motorrad Rahmen wollte, und nicht nur auf der Plakette am Rahmen. Ich hatte keine Ahnung wo die Nummer noch eingestanzt ist. Nach einigen ratlosen Blicken erlöste mich die nette Beamtin und meinte es wäre schon gut. Noch einmal Glück gehabt! In Moldawien braucht man für die Benützung der Autobahnen eine Vignette. Doch ob man diese auch für ein Motorrad brauchte konnte mir niemand erklären. Erst ein höherer Grenzer entließ mich mit einem „Go go go“ meinem Schicksal. Endlich war ich in Moldawien.

 16F8679Auf meinen Recherchen im Internet fand ich in der Nähe von Chisinau eine Campingplatz. Moldawien ist ein Binnenland und 350 Kilometer lang. Chisinau liegt ungefähr in der Mitte. Die Landschaft ist leicht hügelig, riesige Felder bestimmen das Bild. Aber es ist anders als in Rumänien: Es gibt kaum Maschinen auf den Feldern, vieles mit mit der Hand gemacht. Industrie habe ich so gut wie keine gesehen. Und wenn, dann aus der Zeit des Kommunismus und meistens aufgelassen. Die Menschen waren freundlich aber zurückhaltend, misstrauische Blicke waren aber gar einige dabei.

Die Straßen in Moldawien sind eine Geschichte für sich. Bereits 50 Meter nach der Grenze wurde der Unterschied sichtbar. Der wenige Asphalt bröselt vor sich hin, an vielen Stellen ist er überhaupt nicht vorhanden. Die Schnellstraße Galati – Cisinau gleicht auf langen Strecken einem Übungsgelände für Offroad Fahrer. Es kommt immer wieder vor dass Autos und LKW's komplett die Seite wechseln, um den Schlaglöchern auszuweichen. Wobei Löcher nicht mehr das richtige Wort ist. Auf den 150 Kilometern hatte ich von der ärgsten Schlammpiste über Schlaglochpiste zu Betonplatten (einige fehlten...) und 6spurigen Asphalt alles.

Das Ziel war Vadu lui Voda, einem kleinen Dorf neben Cisinau, der Hauptstadt von Moldawien. Bei der kurzen Rast mitten in …. lernte ich einen Tschechen kennen, der von Prag aus per Fahrrad durch Rumänien und Moldawien wollte. Wir aßen gemeinsam zu Mittag direkt vor der Kirche. Er erzählte mir dass er durch Transnistrien gefahren ist. Bei der Einreise wurde ihm klar und deutlich klar gemacht dass er innerhalb 24 Stunden das „Land“ wieder verlassen muss. Ich will mir das Procedere ersparen und fahre Richtung Cisinau weiter.

Cisinau ist eine Grossstadt im typischen Sovjet Stil. Alte Plattenbauten mit heruntergekommenen Fassaden säumen die breiten Straßen. Es ist zwar nicht dreckig, aber grau in grau. Ich war froh als mich die Stadt wieder ausspuckte und ich 30 Kilometer weiterfahren durfte. Vadu lui Voda liegt an der Dniester und gilt als DAS Urlaubsresort für Moldawier. Das Wetter verschlechterte sich immer mehr und kurz vor meinem Ziel begann es leicht zu tröpfeln.  16F8617Die Zufahrt zum Dorf war gerade (oder immer noch) aufgerissen on ohne Belag. Die Suche nach dem Campingplatz gestaltete sich schwierig, nur ein Polizist konnte ein wenig Engisch und der wusste nicht wo ich hinwollte. Der erste „Campingplatz“ entpuppte ich als all Inclusive Resort, für Jugendliche... Dort wollten sie mich auch nicht haben, ein paar Meter weiter landete ich im Resort Camping Romanita, auch für Erwachsene. Es dauert mehr als eine Stunde bis man in der Reception jemand erreichte, der englisch sprach, Russisch war die einzige Sprache mit der man sich verständigen konnte. Ein weiterer Diskussionspunkt war der Stellplatz meines Motorrades. Sie wollten es partout direkt vor ihrer Wohnung parken. Ich wollte nicht, sondern lieber in der Nähe meines Zimmers. Also wieder hin und her telefoniert, am Ende klappte es dann doch. Doch meine Motivation war an einem Tiefpunkt angelangt. Am Abend wurden alle Eingänge verschlossen, niemand kam mehr rein oder raus. Im menschenleeren Park kochte ich meine Nudel. Ich fühlte mich wie eingesperrt, alles war düster und grau. Nur weg von hier! Am Abend kam dann doch ein wenig Leben in die Bude. Junge Moldawier feierten ausgelassen am Schwimmbar die halbe Nacht während ich versuchte zu schlafen.


 

11. Tag: Vadu lui Voda – Dumbraca Rosie

 16F8629Die Nacht war ausgesprochen gut! Nachdem das nächtliche Festgelage vorbei war wurde es ruhig und es war ein Genuss, wieder einmal in einem Bett zu schlafen. Das morgendliche Hübsch machen gestaltete sich schwierig, im einzigen Etagenbad gab es kein Wasser. Ich wollte bereits um 7 Uhr starten, aber die ganzen Tore waren verschlossen, es wachte ein (sehr zutraulicher übrigens) Hund über das Ganze.  16F8631Ich wollte den Hausmeister nicht stören, auch weil ich keine Ahnung gehabt hätte, wie ich es ihn erklären sollte. So machte ich mir mit meinem letzten Wasser und letzten Kaffe noch einen Kaffee im Garten. Es war sehr ruhig und fast einladend, ganz anders als gestern.

Gegen acht Uhr wurde der Hausmeister wach, ich packte meine Sachen und machte mich auf dem Weg Richtung Orhei. Circa 20 Kliomenter davor liegt Orhei Vechi, ein archäologischer Fundort und historisches Siedlungsgebiet. Die Straße dorthin war gut, es war sehr leicht zu finden. Eingebettet in sanfte Hügel liegt in einem Schutzgebiet oberhalb eines Flusses die Kirche. In den darunterliegenden Felsen hat man vor langer Zeit Räume und Höhlen geschlagen, die als Unterkunft dienten. Um das Gebiet zu schützen ist ständig eine Polizeistreife präsent, der Polizist bewacht auch den großen Parkplatz. Ich lasse mein Motorrad dort und hole mir eine Eintrittskarte im angeschlossenen Museum. Eine junge Frau sprich mich in gutem Englisch an und erklärt mir, dass die meisten Funde im archäologischen Museum in Orhei sind. Es ist bereits 10 Uhr und die Sonne brennt vom Himmel, die Luft ist schwül/feucht. Wie immer auf dieser Reise habe ich die Kleidung gewechselt, sonst würde ich hier eines Hitzetodes sterben.

 16F8639Es wird Zeit Richtung Westen zu fahren, zurück nach Rumänien. In einem Dorf werde ich von einem Polizisten armwedelnd angehalten. Er spricht einen Satz, wo ich nicht ein einziges Wort verstehe. Fragend schaue ich ihn an, bis er „Passport & driving license“ in recht befehlenden Ton sagt. Es läuft wieder mein Kopfkino ab. Auf meinen Recherchen im Internet wurde ja ziemlich schlecht über die korrupten Polizisten geschrieben. Nach wenigen Minuten kommt er wieder zurück und wünscht mir gute Fahrt. In gebrochenen Englisch fragt er mich ob ich Französisch kann. Seine Mutter hat lange zeit in Nizza gelebt oder ist dort, das habe ich nicht wirklich verstanden...

 16F8674Der Grenzübertritt bei Sculeni dauert diesmal etwas länger. Nach gut einer Stunde Wartezeit, Kofferkontrolle und Ausreisestempel fahre ich über die Brücke über den Grenzfluss Pruth. Ich bin erleichtert wieder in Rumänien zu sein. Auf meiner Fahrt immer Richtung Westen fuhr ich durch Iasi, Universitätsstadt und Zentrum des Fürstentums Moldau. Nirgend sonst war der krasse Unterschied zwischen Historischen Gebäuden und Plattenbau so sichtbar. Ich fuhr weiter bis Dumbrava Rosie und fand dort die kleine Pension Octogon, die seit kurzem auch einen Platz zum Campen anbietet. Direkt hinter der Pension im Hinterhof kann man auf der Wiese campen. WC's sind vorhanden, Essen kann man sehr günstig in der Pension oder im Freien Grillen. Lange habe ich mit dem Besitzer und dessen Tochter gesprochen, über die Geschichte von Rumänien, den Kommunismus und die Diktatur Ceaușescu's, die Zukunft Rumäniens in der EU usw.

Die ersten Jahre unter kommunistischer Führung waren gute Jahre: jeder hatte eine Arbeit und eine Wohnung. Es wurde sehr viel in die Infrastruktur gesteckt. Doch leider war es bald vorbei mit dem Fortschritt. Er erzählte mir von den Bauern während des Kommunismus, die mehr als 100 Kühe im Stall hatten, aber kein Fleisch für sich nehmen durften. Man bekam Essensbons, die aber vorne und hinten nicht reichten. So wurde im heimlichen während der Nacht geschlachtet, damit niemand etwas merkte. Überall waren Spitzel, auch der Nachbar konnte man nicht vertrauen. Am nächsten Tag musste alles wieder sauber und wie wenn nichts gewesen wäre sein.


 

12. Tag: Dumbrava Rosie – Pestera Unguru Mare

 16F8684Auf anraten der Besitzer der Pension fuhr ich Richtung Mănăstirea Bistrița bei Kreuzburg an der Bistritz. Es soll ein schönes Kloster sein und liegt auf der Strecke durch die Bicaz Schlucht. Das Kloster ist sehr schön, es war gerade eine Messfeier und viele Menschen waren auf dem Vorplatz vor der Kirche. Ich ging nicht in die Kirche sondern mache einige Fotos auf dem Platz und mache mich wieder auf dem Weg. Die Bicaz Schlucht ist imposant, rechts und links erheben sich hohe Felswände. Es kam nicht wirklich Fahrfreude auf, denn die Schlucht war voll von Rumänen, die wie ich die Schlucht abfahren wollten.

Gleich nach der Schlucht wurde es flacher, Wald wechselte sich mit Felder ab. Bei Toplita kam ich auf die Hauptstraße raus und fuhr Richtung Cluj Napoca. Die Straßen waren super, zumindest die Hauptstraßen. Kurz vor Gilau bog ich links ab um ins Apuseni Gebirge zu fahren. Die Strasse wurde enger, nur mehr wenige Fahrzeuge nahmen die immer steiler werdende Kehren.  16F8704An manchen Stellen war der Asphalt nicht mehr vorhanden, bzw. es wurde große Rohre für die kleinen Sturzbäche verlegt. Bei Marisel kam ich auf eine Hochfläche und genoss den Ausblick auf die weiten Wälder. Ich fuhr weiter über die 1R und eine kleine Seitenstraße Nr. DC121 Richtung Urdele Pass. Das kleine Sträßchen war komplett neu asphaltiert und es war ein Genuss. Nur dass sie so neu war dass das Navi die Strecke nicht kannte und ich mich mitten im nichts bewegte. An sich kein Problem, nur bei Abzweigungen ohne Schilder etc. wird es schwierig. Die Straße schlängelte sich hügel-auf hügel-ab für einige Kilometer durch den Wald, bis sie wieder auf eine Hauptstrasse (DJ108C) stoß. Links ging es zum Urdele Pass, rechts Richtung Rachitele und Bologa, nördlich vom Apuseni Gebirge. Ich bin vom Nordkapp noch Wald-geschädigt (damals bin ich 3 Tage nur durch Wald gefahren) und so bog ich rechts ab Richtung Ebene. Die Entscheidung war die richtige: bald darauf öffnete sich die Landschaft und sanfte Hügel bestimmten das Bild. Eingebettet zwischen Feldern lagen kleine Dörfer, die aus einer Kirche und mehreren Häusern bestanden. Die Felder waren abgeerntet und unzählige gelb, braun Töne verwandelten die Landschaft in ein Gemälde.

Ich wollte eigentlich die Pestera Vantului, die größte Höhle Rumäniens, besichtigen. Doch diese Höhle ist nicht für Touristen geöffnet sondern nur für Forscher. Aber gleich in der Nähe gibt es die Pestera Unguru Mare, am Fluss Crisul Repede gelegen. Dort sollte sich auch ein Camping Platz befinden. Die Anfahrt war überaus spannend. Gleich mehrmals wollte mich der Navi über nicht vorhandene Straßen, Industriezonen usw. lotsen. Weil ich nicht mit dem Motorrad in einer 50qm großen Schlammpfütze stecken bleiben wollte machte ich einen 10km weiten Umweg über die Hauptstraße, Ehrenrunden inklusive.

 16F8769Die Höhle mit Campingplatz liegt in einem kleinen Tal abseits von Siedlungen. Der Campingplatz besteht im Großem und Ganzen aus einer Bar, einem WC und einer Wiese. Campen darf man wo man will, wie man will und wo gerade Platz ist. Eine nacht kostet 10 Lei, umgerechnet 2 Euro. Bei der Bar fragte ich um 2 Tomaten für das Abendessen. Ich bekam sie natürlich geschenkt...

Das Zelt stellte ich direkt unter einer Felswand auf, obwohl ein Verbotsschild vorhanden war, wegen Steinschlag. Aber lieber war mir ein Platz unter der Wand als 5 Meter daneben. Und dazu waren einige Kletterrouten mit Spit eingebohrt. Deswegen fühlte ich mich fast wie Zuhause...


 

13. Tag: Pestera Unguru Mare – Heiligenkreuz im Lafnitztal

 16F8820Die Nacht war angenehm. Ich packte meine Sachen bei Sonnenaufgang zusammen und machte ein paar Fotos. Die Höhle ist nur mit einer Führung zu besichtigen, und die Erste startet um 10.00 Uhr. So hatte ich genug Zeit um zusammenzupacken, Fotos zu machen und mit dem Höhlenretter zu frühstücken. Ich hatte mein Motorrad direkt neben dem Container der Höhlen- und Bergrettung geparkt. Als ich guten Morgen wünschte lud er mich in gebrochenen Deutsch zum Tee ein. Ich konnte natürlich nicht nein sagen und so kam ich zum Tee und er zu Kekse. Der Bergretter schlief im Container und bleibt dort für einige Tage, um eventuell schnell am Einsatzort zu sein. Die ehrenamtlichen Bergretter decken so den Sommer fast vollständig ab. Unter der Woche ist er Arbeiter und Imker, am Wochenende Bergretter...

Um zehn Uhr besichtigte ich die Höhle. Zur Höhle führte eine Hängebrücke, das erste Hindernis für einige Touristen, die mit mir die Höhle besichtigen wollten. Es war lustig mit anzusehen, wie bereits 5 Meter Luft unter den Füßen ausreichen um in Panik zu gehen. Die Höhle war spärlich beleuchtet, die Reparatur der Beleuchtung eine Frage der Kosten. Wie ich später erfahren habe sind es Ehrenamtliche, die sich die Zeit nehmen, die Verwaltung und Führungen zu übernehmen. Nach ca. 100 Meter war Schluss. Es würde zwar noch weitergehen, aber dort braucht man ein Seil zum abseilen. In der Höhle wurden auch steinzeitliche Tonscherben gefunden. Ich lehne freundlich ab, als mir die Führerin eine Scherbe als Souvenir mitgeben wollte.

Die Führung dauerte eine halbe Stunde und hat sich ausgezahlt. Ich packte meine restlichen Sachen zusammen, holte Helm und Jacke aus dem Bergrettungs Container und verabschiedete mich. Bis zur Grenze nach Ungarn waren es ca. 80 Kilometer.

Die Einreise nach Ungarn war wie auf der ganzen Reise einfach. Passkontrolle, Zoll, willkommen in Ungarn. Gleich nach der Grenze kaufte ich mir einer Vignette, Ungarn ist meistens flach, die Strassen gerade und die Landschaft eintönig. Natürlich gibt es Ausnahmen wie beim Balaton See, aber das ist eine andere Geschichte. In Ungarn bekam ich von allen Kaffee's auf der Reise den besten. Damit hat Ungarn auf meiner Beliebtheitsskala aufgeholt...

Den restlichen Tag fuhr ich zwischen Autobahn und Hauptstrassen Richtung Graz. Gleich nach der Grenze zu Österreich fand ich neben der Autobahn eine schöne Wiese. Unter ein paar Bäumen stellte ich mein Zelt auf und genoss einen schönen Sonnenuntergang.

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14. Tag: Heiligenkreuz im Lafnitztal – Plaus

Am nächsten Tag fuhr ich, wie der Tag vorher auch, vor allem auf der Autobahn. Nachmittags war ich dann wieder zuhause bei meinen Lieben.

 

Nachwort

Auf meiner Reise wurden mir immer wieder diesselben Fragen gestellt:
- woher kommst du? Italien. Ah super! Ich habe den und den Bekannten in Italien oder war selber in Italien
- wohin willst du? Dorthin. Pass auf dich auf, dort sind „böse“ Menschen.
- gefällt dir Rumänien? Ich: "Ja, wunderbar!" Dann stehen dir alle Türen offen!