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7. Tag: Sibui – Noroiosi

NoroiosiDas Wetter zeigte sich nicht von seiner besten Seite, als ich gegen 10 Uhr losfuhr. Ichg wollte heute Richtung Osten fahren, Ziel war das Dracula Schloss in Bran und die Schlammvulkane bei Noroiosi. Bei Fagaras tanke ich und kaufe Obst und Gemüse ein. Das Schloß entpuppt sich als Privatbesitz und ist geschlossen. Eine altre Frau, die ich vor dem Schloss treffe erzählt mir ihre Lebensgeschichte: Ihr Mann ist blind, die Kinder sind in Italien und sie schaut auf die 2 Schweine. Das Geld reicht nur für das nötigste und sie holt sich das Gras für die Schweine von den Wegrändern in der Umgebung. Und wieder werde ich vor den Rumänen gewarnt. Mittlerweile weiss ich in circa auf was es sich bezieht: Zigeuner, Roma. Sie haben im eigenen Land eine schwierige Position: werden vertrieben, ausgegrenzt, diskriminiert. Man erkennt sie an der dunkleren Hautfarbe und den Gesichtszügen. Aber wie so häufig gibt es immer schwarze und weisse Schafe auf der Weide und gute und weniger gute Menschen.

 16F7950Ich fahre weiter Richtung Bran. Es liegt etwas weiter südlich von Brasov und wird als das Dracula Schloss verkauft. Bereits von weiten ist es auf einer kleinen Anhöhe ersichtlich. Es zieht sich aber noch, denn ich bin nicht der einzige, der das Schloss besichtigen möchte. Lange Autoschlangen stehen vor dem Dorfkern, um einen Parkplatz zu ergattern. Ich will in einen Parkplatz einbiegen als sogleich die Wächterin armwedelnd mich abweist. Also noch einmal eine Ehrenrunde im Dorfkern. Endlich finde ich einen Platz und lasse meinen Untersatz stehen. Das Schloss ist mit einem großen Park umgeben, sehr gepflegt und jetzt im Sommer blühen die Rosen und Blumen in ihrer ganzen Pracht. Bis zum Eingang zum Park sind es 300 Meter, die Straße ist gesäumt von Kiosks und kleinen Geschäften. Es wimmelt an Touristen und die Warteschlange zum Ticketschalter ist 200 Meter lang. Ich überlege nicht lange, dieses Spektakel muss ich mir nicht geben. Das Schloss kann noch so schön sein, eine Stunde anstehen ist nicht mein Ding. Ich esse in einem ital. Restaurant neben einer amerikanischen Gruppe zu Mittag. Die Gruppe hat einen lokalen Reiseführer und den Gesprächen nach ein straffes Programm: Essen, Trinken, Party, Trinken, Schlafen. Wenn es sich dazwischen ausgeht dann noch ein wenig Kultur....

Von Bran geht es zurück Richtung Brasov und dann südöstlich nach Buzau. Die Landschaft ist leicht hügelig, die Straße sehr gut. Doch die Gegend ist sehr arm. Vor den Häusern sitzen viele junge Menschen, ich denke Arbeitslose. In einem Steinbruch sehe ich beim vorbeifahren Kinder, die Steine spalten und vom Staub ganz schwarz im Gesicht sind. Beim Vorbeifahren werde ich mit argwöhnischen Augen betrachtet, ganz anders als im übrigen Rumänien, wo die Menschen schon mit der Körpersprache eine positive Stimmung ausstrahlen. Ich bleibe nicht stehen und fahre weiter bis Berca (kurz vor Buzau) und biege links ab. Bei den Schlammvulkanen soll es in der Nähe einen Campingplatz geben. Hoffentlich nicht wieder ein Tierheim...

 16F8266Ich habe Glück, bereits einige Kilometer davor zeigen mit Schilder den Weg. Das ist in Rumänien eine Ausnahme, normalerweise ist das Schild direkt beim Eingang, den Weg dahin muss man selber finden. Nach Policiori biege ich rechts ab und komme nach einen Kilometer tatsächlich an den Campingplatz. Es ist eine Wiese, eingebettet in sanften Hügeln, überall hört man die Glocken der Schafe auf den Weiden. Aurel, der Besitzer des Campingplatzes, ist sehr geschäftstüchtig, aber vor allem nett. Die Nacht kostet 5€ inlusive alles, Parken kann man wo man will, Zelten auch. Die Ausstattung des Campingplatzes ist zwar nicht überwältigend, aber man hat alles was man braucht: offene Küche, viele Tische, Shop, Grillplätze, Duschen und WC's. Und das wichtige: die Vulkane sind 300 Meter entfernt. Was will man mehr.

Auf dem Campingplatz lerne ich einen Italiener kennen. Er ist auch mit dem Motorrad unterwegs und ein Kilometerfresser. Er ist mir nicht sympathisch und redet nur von Leistung, Kilometer, Fahrstunden. Etwas was mich beim Reisen überhaupt nicht interessiert.

Noroiosi oder Am 8ten Tag sollst du ruhn, am besten gar nichts tun.

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Ich war jetzt 8 Tage unterwegs und brauchte einen Rasttag. Die Schlammvulkane sind eine geologische Eigenheit. Methangas steigt durch Spalten hoch und drückt ständig Schlamm und Wasser aus dem Boden. Die Landschaft schaut aus wie auf dem Mond, im Umkreis von 300 Metern wächst nichts, nur Lehm und dazwischen die Vulkane. Wobei Vulkan etwas übertrieben ist: entweder es sind einfach kreisrunde Wasserlöcher, oder Schlammkegel bis ca. 4 Meter Höhe. Trotzdem verbringe ich dem Morgen und Abend dort oben, dazwischen trinke ich mit dem Parkwächter ein Bier. Um die Vulkane vor Vandalen zu schützen bewacht 24 Stunden, 7 Tage in der Woche ein Parkwächter das Gelände. Das Tickethaus ist gleichzeitig Wohnwagen, der Wächter bleibt 2 Tage und 2 Nächte direkt dort und dann wird gewechselt. Urlaub: keinen, Feiertage: gibt es nicht.

Er erzählt mir von lustigen Episoden, wo Menschen in die Löcher gefallen und Digitalkameras untergegangen sind. Das Methangas ist nicht ungefährlich, es herrscht striktes Rauchverbot auf dem ganzen Areal.